Dürre bedroht Landwirtschaft in Neulengbach
Die anhaltende Dürre hat die Landwirtschaft in der Region Neulengbach stark beeinträchtigt. Viele Ernten sind ausgefallen, was zu Notschlachtungen und dem Verkauf von Tieren führt. Landwirte und Betriebe rufen zur Unterstützung auf.
Am Hof der Familie Hickelsberger in St. Christophen leben Angus-Rinder, Duroc-Schweine und Hühner. Während sie die ersten Schnitte ihrer Futterwiesen noch ernten konnten, sind die Wiesen jetzt verdorrt. „In dieser Situation kann uns niemand helfen“, erklärt Michael Hickelsberger, der betont, dass die wertvollen Rinder ausschließlich mit vitaminreichem Gras gefüttert werden und der Kauf von Ersatzfutter nicht möglich ist.
Die Familie hat jedoch vorgesorgt und Futterreserven aus dem Vorjahr angelegt. Hickelsberger stellt die zentrale Frage: „Wollen wir noch eine heimische Landwirtschaft haben oder nicht?“ Aktuelle Probleme beruhen nicht auf einem fehlenden Hilfsfonds, sondern auf grundlegenden strukturellen Herausforderungen. „Dem Land gehen die Bauern aus“, warnt er.
Sinkende Auftragslage und Wettbewerb
Ein grundlegendes Problem ist die abnehmende Anzahl von Aufträgen für die Landwirte. „Die einen wollen es besonders tierfreundlich, die anderen fordern Naturschutz, die nächsten wollen es günstig – das geht sich nicht mehr zusammen“, sagt Hickelsberger. Die Preise für Lebensmittel sind im Vergleich zu anderen Produkten, wie Mineralwasser, viel zu niedrig. Eine Tonne Pellets kostet mittlerweile mehr als eine Tonne Weizen, was es den Ernährern schwer macht, profitabel zu arbeiten.
Zusätzlich wird die heimische Landwirtschaft durch Billigimporte aus dem Ausland unter Druck gesetzt, die anderswo unter weitaus weniger strengen Standards produziert werden. Im Supermarkt entscheiden jedoch die Preise, nicht die Produktionsbedingungen.
Extremwetter und Folgen für die Landwirtschaft
Die Häufung von Extremwetterereignissen wie Dürre, Starkregen und Hitzeperioden stellen ebenfalls eine Herausforderung dar. Hickelsberger hat festgestellt, dass sich diese Trends über die Jahre verstärkt haben. Der Wechsel zu hitzeresistenten Pflanzen ist seiner Meinung nach keine Lösung, da nichts wachsen kann, wenn es nicht regnet. Dennoch setzt er auf Luzerne in der Fruchtfolge. Um den Boden und die Wasserversorgung zu erhalten, werden die Felder nach jedem Schnitt sofort wieder begrünt.
Aussichten für die Zukunft der Landwirtschaft
Die Weitergabe landwirtschaftlicher Betriebe an die nächste Generation wird zunehmend schwierig. „Das will sich ja niemand mehr antun“, betont Hickelsberger. Aktuell schließen täglich sechs bis sieben Betriebe, was sich in Zukunft auch in den Regalen der Supermärkte bemerkbar machen wird. „Wir Bauern decken dreimal täglich den Tisch“, sagt er mit Nachdruck.
Einordnung
Die Dürre und die steigenden Kosten setzen die heimische Landwirtschaft stark unter Druck. Ein Umdenken in der Wertschätzung heimischer Produkte sowie eine verbesserte Klarheit über Herkunftskennzeichnungen sind notwendig. Andernfalls droht die Abhängigkeit von Importen und die Gefahr des Verlusts von landwirtschaftlichen Betrieben in der Region.


