Russlands Steuerpolitik lässt Schließungen in der Beauty-Branche deutlich steigen

August 22, 2026 17:00
Russlands Steuerpolitik lässt Schließungen in der Beauty-Branche deutlich steigen
Russlands Steuerpolitik lässt Schließungen in der Beauty-Branche deutlich steigen

Die Zahl der Geschäftsauflösungen in der russischen Beauty-Branche ist in den ersten sieben Monaten 2026 deutlich gestiegen. Von Jänner bis Juli wurden nach den vorliegenden Berechnungen 12.300 Unternehmen geschlossen – 52,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig sank die Zahl der Neuregistrierungen um 16,1 Prozent auf rund 13.000. Die Entwicklung wird mit der Ausweitung der Mehrwertsteuerpflicht und dem dadurch gestiegenen Aufwand für kleinere Betriebe in Verbindung gebracht.

Über die Zahlen wurde am 21. August 2026 berichtet. Eine Zusammenfassung der Entwicklung im russischen Beauty-Sektor verweist auf die wachsende Zahl von Schließungen. Berechnungen des Risikoanalyse-Dienstes „Kontur.Fokus“, die in dem Bericht genannt werden, zeigen zugleich den Rückgang bei den Unternehmensgründungen.

Mehrwertsteuer wird für kleinere Betriebe zur Schwelle

Ein wesentlicher Auslöser ist die schrittweise Absenkung des Umsatzlimits, ab dem Unternehmen im vereinfachten Steuersystem Mehrwertsteuer entrichten müssen. Bis Ende 2025 lag diese Grenze bei 60 Millionen Rubel. Im November 2025 unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das zugleich eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes von 20 auf 22 Prozent vorsah.

Seit 2026 gilt für die Mehrwertsteuerpflicht im vereinfachten System ein Umsatzlimit von 20 Millionen Rubel. 2027 soll die Schwelle auf 15 Millionen Rubel sinken, 2028 auf zehn Millionen Rubel. Für Salons und andere kleinere Anbieter bedeutet der Wechsel vom Patentsystem in die Mehrwertsteuerpflicht zusätzliche Abgaben sowie neue administrative Anforderungen.

In der Branche führt das nach den vorliegenden Angaben dazu, dass ein Teil der Betreiber den traditionellen Salonbetrieb aufgibt. Beschäftigte und selbstständige Meister wechseln häufiger in Coworking-Modelle, arbeiten als Selbstständige oder empfangen Kundinnen und Kunden zu Hause. Damit verschiebt sich ein Teil des Geschäfts aus klassischen Salons in kleinere, individuell organisierte Strukturen.

Weniger Besuche, höhere Rechnungen

Die Umsatzentwicklung vermittelt dabei ein uneinheitliches Bild. Nach Angaben von Rosstat gaben die Menschen in Russland im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 179,6 Milliarden Rubel für Friseur- und kosmetische Dienstleistungen aus. Das waren 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Anstieg wird jedoch vor allem auf höhere Preise und nicht auf eine größere Zahl von Besuchen zurückgeführt.

Daten des Fiskaldatenbetreibers „Plattform OFD“ zeigen für Jänner bis Juli einen Rückgang der Zahl der ausgestellten Kassenbelege in Schönheitssalons um vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Medianbetrag pro Rechnung stieg gleichzeitig um zehn Prozent auf 1.900 Rubel. Die Branche nahm somit mehr ein, obwohl weniger Transaktionen registriert wurden.

Die vorliegenden Zahlen werden als Hinweis darauf gewertet, dass Kundinnen und Kunden seltener Salons aufsuchen, die Abstände zwischen Behandlungen vergrößern oder auf teurere Angebote verzichten. Der Umsatzanstieg allein lässt deshalb keinen Schluss auf eine Ausweitung der Nachfrage zu.

Mieten und Beschaffung erhöhen den Druck

Als weitere Belastung werden die Kosten für Gewerbeflächen genannt. Die straffe Geldpolitik der russischen Zentralbank verteuert die Finanzierung für Eigentümer von Geschäftsräumen. Nach der in den Berichten dargestellten Entwicklung geben Vermieter einen Teil dieser Kosten über höhere Mieten an die Betreiber weiter. Salons in Einkaufszentren und im Straßenhandel sind davon besonders betroffen, weil sie auf geeignete Räume angewiesen sind und meist keinen Zugang zu günstiger Finanzierung haben.

Die Schließung von 12.300 Betrieben wirkt sich damit auch auf den Markt für Gewerbeimmobilien aus. Beauty-Anbieter belegen traditionell einen Teil der Mietflächen in Einkaufszentren und an Geschäftsstraßen. Wenn Verträge beendet werden, entstehen freie Flächen. Eine Anpassung der Mieten an die gesunkenen Einnahmen ist nach den vorliegenden Angaben nicht immer möglich oder wird von Eigentümern nicht vorgenommen. Das erhöht den Kostendruck auf jene Betriebe, die weiterarbeiten.

Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Kosmetika und Verbrauchsmaterialien. Sanktionen und eingeschränkte Lieferwege haben die direkten Einfuhren westlicher Marken erschwert. Für Produkte von L’Oréal, Estée Lauder und Wella werden in den vorliegenden Bewertungen blockierte direkte Lieferkanäle sowie teurere Importe über Drittstaaten genannt. Dadurch steigen die Kosten für Behandlungen und für den laufenden Betrieb.

Legale Studios stehen dabei im Wettbewerb mit selbstständigen Meistern, die ihre Fixkosten durch den Verzicht auf eigene Räume und Personal niedriger halten können. In den Bewertungen zur Marktlage wird außerdem darauf verwiesen, dass einzelne Anbieter auf günstigere asiatische Produkte oder nicht originale Waren ausweichen. Für etablierte Salons mit höheren Kosten wird der Preisdruck dadurch größer.

Weniger Neugründungen im legalen Segment

Der Rückgang der Neuregistrierungen um 16,1 Prozent auf 13.000 Unternehmen fällt in dieselbe Berichtsperiode wie der Anstieg der Liquidationen. Die Entwicklung wird als Belastung für den formal registrierten Teil der Branche beschrieben. Unternehmer halten Investitionen zurück, eröffnen weniger neue Standorte und verzichten teilweise auf die Ausweitung ihrer Belegschaft, um die Umsatzgrenze für die Mehrwertsteuerpflicht nicht zu überschreiten.

In den vorliegenden Einschätzungen wird deshalb eine stärkere Aufsplitterung des Marktes erwartet: größere, regulär arbeitende Salons verlieren gegenüber kleineren Anbietern an Spielraum, während Meister mit selbstständigem Status oder in Coworking-Räumen ihre Kostenstruktur verändern. Eine konkrete Höhe möglicher Auswirkungen auf die Steuereinnahmen wird in den Angaben nicht genannt.

Die Branche verzeichnet damit gleichzeitig höhere nominale Umsätze, weniger registrierte Geschäftsvorgänge und deutlich mehr Schließungen. Die Angaben zu Liquidationen, Neugründungen, Rechnungen und durchschnittlichen Ausgaben beziehen sich auf unterschiedliche Zeiträume innerhalb des Jahres 2026 und bilden die Entwicklung des russischen Beauty-Marktes aus verschiedenen Perspektiven ab.

Die Berichterstattung zu den Steuer- und Marktdaten der Branche führt die Veränderungen auf die neue Mehrwertsteuerregelung und die gestiegenen Betriebskosten zurück. Die Daten für die ersten sieben Monate zeigen vorerst vor allem eine Verschiebung weg vom klassischen Salonmodell.

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