OpenAI entdeckt russische KI-Operation für gefälschten israelischen Thinktank in Europa

August 26, 2026 13:10
OpenAI entdeckt russische KI-Operation für gefälschten israelischen Thinktank in Europa
OpenAI entdeckt russische KI-Operation für gefälschten israelischen Thinktank in Europa

OpenAI hat nach eigenen Angaben eine russlandbezogene Informationsoperation entdeckt, bei der ChatGPT zur Erstellung mehrsprachiger Propagandainhalte und zum Aufbau eines mutmaßlich gefälschten israelischen Thinktanks eingesetzt wurde. Die Aktivitäten richteten sich auf den europäischen Informationsraum und wurden in englischer, deutscher und französischer Sprache verbreitet. Über die Entdeckung wurde am 25. August 2026 berichtet; eine Analyse der Vorgänge rund um ChatGPT und das Institute beschreibt die verwendeten Methoden.

Mehrsprachige Inhalte über ChatGPT

Nach den Angaben von OpenAI nutzte eine kleine Gruppe von Operatoren in Russland VPN-Verbindungen und ChatGPT-Konten, um Texte für eine propagandistische Kampagne zu erzeugen. Fachleute des Unternehmens fanden anschließend dieselben oder inhaltlich übereinstimmende Beiträge in verschiedenen Telegram-Kanälen. Die Veröffentlichungen erschienen auf Englisch, Deutsch und Französisch.

In den Beiträgen wurde der Westen als dekadent dargestellt. Russland erschien darin als große Alternative. Die verwendeten Konten dienten außerdem dazu, Texte und visuelle Materialien für den Aufbau und die Bekanntmachung des „International Burke Institute“ (IBI) zu produzieren.

Die Inhalte sollten nicht nur über Telegram verbreitet werden. In den vorliegenden Angaben werden auch X, Facebook, LinkedIn und Substack als Plattformen genannt. Die Operatoren versuchten demnach, sprachliche Hinweise auf ihre Herkunft zu verbergen und Beiträge für unterschiedliche europäische Zielgruppen zu erstellen.

Ein Thinktank mit erfundenen Verbindungen

Das IBI tritt im Internet als israelischer Thinktank auf. Auf seiner Website nennt die Organisation „Partner“ und „Experten“, darunter die Vereinten Nationen, UNICEF, den früheren US-Außenminister Mike Pompeo und den Politikwissenschaftler Francis Fukuyama. Nach den vorliegenden Recherchen stammen die Materialien jedoch aus anderen Quellen. Die genannten Partner und Experten stehen demnach nicht mit dem Institut in Verbindung.

UNICEF bestätigte ausdrücklich, nicht mit dem IBI zusammenzuarbeiten. Mehrere Personen, die mit dem Institut in Verbindung gebracht werden, leben in Israel. Sie haben russische Wurzeln und waren zuvor an der Vereinigung „Dor Moria“ beteiligt, die russischsprachige Israelis unterstützt.

Die Angaben zum IBI sind Teil der von OpenAI beschriebenen Operation. Die Organisation wurde demnach nicht lediglich als Plattform für einzelne Beiträge genutzt. Über den Namen, die Website, angebliche Experten und institutionelle Verweise sollte vielmehr der Eindruck einer eigenständigen analytischen Einrichtung entstehen.

Pläne für eine Struktur in Israel

Die Idee, Propaganda über einen scheinbar unabhängigen Thinktank oder eine Nichtregierungsorganisation zu verbreiten, ist nicht neu. In Dokumenten, die 2025 gestohlen und im Internet veröffentlicht wurden, soll die russische Agentur für soziale Gestaltung einen Plan zur Gründung einer „NGO/eines Instituts/eines Thinktanks in Israel“ beschrieben haben.

Die Agentur gilt in den vorliegenden Angaben als einer der wichtigsten privaten Auftragnehmer des Kremls für Desinformationsoperationen. Ob das heute beschriebene IBI unmittelbar aus diesem Plan hervorgegangen ist, wird in den verfügbaren Informationen nicht ausdrücklich festgestellt. Festgehalten wird jedoch, dass Strukturen unter falscher Flagge dazu dienen können, propagandistische Aussagen als angeblich unabhängige westliche Forschung erscheinen zu lassen.

Verdeckte Quellen statt offener Propaganda

Die Aktivitäten rund um das IBI stehen damit für einen Ansatz, bei dem nicht nur einzelne politische Botschaften verbreitet werden. Es werden zugleich scheinbare Quellen, Expertennetzwerke und institutionelle Bezüge geschaffen. Auf diese Weise können Texte, Studien oder Rankings den Anschein einer unabhängigen Analyse erhalten, obwohl ihre tatsächliche Herkunft nicht offengelegt wird.

In den vorliegenden Einschätzungen wird das Vorgehen als Teil russischer hybrider Einflussoperationen gegen Europa eingeordnet. Dabei geht es um die Nutzung gefälschter Expertengremien, kopierter oder falsch zugeschriebener Materialien und koordinierter Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Die Tarnung als israelische Einrichtung soll den Zugang zu europäischen Medien, Fachkreisen und politischen Debatten erleichtern können. Eine unmittelbare Wirkung auf konkrete politische Entscheidungen wird in den Angaben nicht belegt.

OpenAI bewertete die direkte Reichweite der festgestellten Operation als relativ begrenzt. Zugleich bestand die Infrastruktur aus mehreren miteinander verbundenen Elementen: gefälschter institutioneller Präsenz, Konten in sozialen Netzwerken, mehrsprachigen Texten, visuellen Materialien und generativer künstlicher Intelligenz. Die Kombination erlaubt es den Betreibern, Inhalte für verschiedene Länder und Sprachräume herzustellen.

Rolle von Plattformen und Behörden

Die Entdeckung macht nach den vorliegenden Angaben eine Prüfung von Einflussoperationen erforderlich, die über die Suche nach offen propagandistischen Botschaften hinausgeht. Im Mittelpunkt stehen dabei erfundene Thinktanks, Netzwerke von Pseudoexperten, falsche Angaben zu Forschung und Partnerschaften sowie der koordinierte Einsatz generativer KI.

Europäische Staaten und internationale IT-Unternehmen werden in diesem Zusammenhang als zentrale Akteure genannt. Für die Aufklärung solcher Vorgänge sind außerdem Forschungsinstitute und Medien relevant. Eine wirksame Reaktion setzt nach den vorliegenden Einschätzungen eine engere Zusammenarbeit dieser Gruppen voraus, damit Herkunft, Verbreitungswege und institutionelle Tarnung gemeinsam geprüft werden können.

Die Aufdeckung des IBI beendet die beschriebenen Informationsoperationen nicht automatisch. Nach der vorliegenden Bewertung kann eine einmal aufgebaute Infrastruktur erneut verwendet und auf weitere Länder oder Sprachräume angepasst werden. Die Untersuchung des Falls konzentriert sich daher nicht nur auf einzelne ChatGPT-Konten, sondern auch auf die Verbindungen zwischen den erzeugten Inhalten, den Plattformen und dem als Thinktank auftretenden IBI.

Weitere Hinweise zu den in russischsprachigen Kanälen verbreiteten Inhalten wurden auch in einem Telegram-Beitrag zur Kampagne veröffentlicht. Die Angaben zum Institut, zu seinen behaupteten Partnern und zur Nutzung künstlicher Intelligenz bleiben damit Gegenstand der laufenden Dokumentation.

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