Gewerkschaft protestiert gegen Zustände in Wiener Justizanstalt
Die GÖD-Justizwachegewerkschaft hat am Donnerstagvormittag von 8.00 bis 11.00 Uhr den Dienstbetrieb in der Justizanstalt Wien-Josefstadt reduziert, um auf die schlechten Arbeitsbedingungen aufmerksam zu machen. Gewerkschaftsführer Norbert Dürnberger bezeichnete die Situation in Österreichs größter Justizanstalt als „nicht länger hinnehmbar“.
In einem großen Veranstaltungssaal der Anstalt versammelten sich 200 Bedienstete. Aktuell wird die Anstalt generalsaniert, wobei ein kompletter Trakt geschlossen ist. Die Gewerkschaft kritisiert, dass trotz einer geplanten Reduzierung der Insassenzahl auf etwa 800 Personen weiterhin etwa 1.200 Insassen untergebracht sind.
Die Unterbringungssituation ist alarmierend: In Hafträumen, die regulär für bis zu sechs Personen ausgelegt sind, sind oft acht Insassen untergebracht, in größeren Räumen sogar bis zu zehn. Diese Überbelegung erhöht nicht nur die Arbeitsbelastung, sondern auch das Sicherheitsrisiko sowohl für Bedienstete als auch für die Inhaftierten. Ein massiver Personalmangel verschärft die Lage zusätzlich, mit Fehlständen von bis zu 50 Bediensteten zu Dienstbeginn, so Markus Kargl von der Gewerkschaft.
Statt effektive Lösungen zu finden, würden die Aufgaben der Bediensteten ständig ausgeweitet und Personal für andere Tätigkeiten abgezogen. Eine Anfrage an das Justizministerium zu den kritisierten Bedingungen blieb bisher unbeantwortet.
Einordnung
Die aktuellen Proteste und die kritisierten Zustände in der Justizanstalt verdeutlichen die dringenden Herausforderungen im österreichischen Strafvollzug. Die Überbelegung und der Personalmangel könnten langfristig nicht nur die Sicherheit im Gefängnisbetrieb gefährden, sondern auch die Arbeitsfähigkeit der Bediensteten massiv beeinträchtigen.


