Justizministerin Sporrer kritisiert Auflösung des Jugendgerichtshofs in Wien
Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) bezeichnete die 2003 durch den damaligen Justizminister Dieter Böhmdorfer (FPÖ) vollzogene Auflösung des Jugendgerichtshofs in Wien als „großen Fehler“. Sie sprach sich für eine Rückkehr zu einem Jugendgericht aus.
In einem Interview mit der APA äußerte Sporrer, dass ein eigenes Jugendgericht, in dem Haftanstalt und Gerichtsbarkeit an einem Standort integriert waren, erfolgreich funktioniert habe. Sie unterstützt die Forderung von Generalprokuratorin Margit Wachberger nach einem „Jugendgerichtshof Plus“ als zweites Strafgericht in Wien.
Mit der kürzlich eröffneten Justizanstalt Münnichplatz in Wien-Simmering für jugendliche Häftlinge wird laut Sporrer ein „Systemwechsel“ angestoßen. Diese Einrichtung bietet Haft, Ausbildung und Therapie kombiniert an einem Standort an. Sie hat bereits eine Überbelegung von über 90 Insassen festgestellt, was eine rasche Entlastung der Justizanstalten notwendig macht.
Sporrer betonte die Notwendigkeit, Maßnahmen zur Verringerung der Überbelegung zu ergreifen, insbesondere angesichts des Personalmangels im Strafvollzug. Sie plant, einen Gesetzesentwurf einzubringen, der gemeinnützige Arbeit anstelle von kurzen Freiheitsstrafen im Jugendstrafbereich ermöglichen soll.
Einordnung
Die mögliche Wiedererrichtung eines Jugendgerichtshofs könnte die Integration von Justiz und Jugendhilfe verbessern und eine bessere Betreuung von Jugendlichen im Justizsystem ermöglichen. Der Fokus auf Ausbildungsmaßnahmen und gemeinnützige Arbeit statt Haft zielt darauf ab, eine nachhaltige Lösung für die Herausforderungen im Jugendstrafbereich zu finden.



Es ist wichtig, dass Jugendliche in der Justiz angemessen betreut werden. Die Idee eines integrierten Jugendgerichtshofs scheint sinnvoll, um die Situation für junge Straftäter zu verbessern.
Die Idee eines Jugendgerichtshofs Plus klingt sinnvoll, aber wer prüft, ob das System wirklich besser ist? Es ist schon beunruhigend, dass die Anstalt bereits überfüllt ist. Wie soll da eine bessere Betreuung funktionieren?