Krasnojarsk bündelt vier Entbindungskliniken trotz Moskaus Geburtenpolitik

September 21, 2026 11:45
Krasnojarsk bündelt vier Entbindungskliniken trotz Moskaus Geburtenpolitik
Krasnojarsk bündelt vier Entbindungskliniken trotz Moskaus Geburtenpolitik

In der russischen Stadt Krasnojarsk werden vier Entbindungskliniken in das regionale Zentrum für Mutter- und Kinderschutz eingegliedert. Zugleich wurde der Betrieb des Entbindungshauses Nummer 6 vorübergehend ausgesetzt. Die Maßnahmen erfolgen, während die russische Führung öffentlich eine höhere Geburtenrate fordert. Ärztinnen und Ärzte warnen vor einer steigenden Belastung des Perinatalzentrums und einem erschwerten Zugang zur Geburtshilfe, insbesondere für Frauen aus entlegeneren Teilen der Region.

Die Neuordnung betrifft nach den vorliegenden Berichten die Entbindungshäuser Nummer 1, 2, 4 und 5. Grundlage ist ein Beschluss der Gesetzgebenden Versammlung der Region Krasnojarsk. Die Behörden begründen die Zusammenlegung mit der rückläufigen Zahl der Geburten, der Auslastung einzelner Einrichtungen und deren mangelnder Wirtschaftlichkeit. In der öffentlichen Debatte wird die Entscheidung dagegen als Teil einer umfassenderen Kürzung der Infrastruktur für die Geburtshilfe kritisiert.

Zusammenlegung und personelle Folgen

Die Reorganisation ist bereits von personellen Veränderungen begleitet. Das Entbindungshaus Nummer 4 verlor nach Angaben von Beschäftigten einen leitenden Chirurgen und die Leiterin der gynäkologischen Abteilung. Diese Abteilung soll ab 1. Oktober geschlossen werden. In Berichten über die geplanten Schließungen und den Personalmangel wird außerdem vor einer weiteren Verdichtung der Arbeit in den verbleibenden Einrichtungen gewarnt.

Besonders umstritten ist der Umgang mit dem Patientenaufkommen im Entbindungshaus Nummer 4. Medizinisches Personal berichtet, dass Rettungsdienste angewiesen worden seien, Schwangere nicht mehr regulär dorthin zu bringen. Aufgenommen würden vor allem Frauen, die selbstständig in die Klinik kämen. Dadurch sei die Zahl der Geburten nach Darstellung der Beschäftigten von täglich etwa zwölf bis 15 auf fünf bis sieben gesunken.

Diese Zahlen werden von den Kritikerinnen und Kritikern der Reform als Grundlage für eine künstlich erzeugte Statistik der „Unrentabilität“ interpretiert. Die geringere Zahl der aufgenommenen Patientinnen könne anschließend als Begründung für eine Schließung oder eine Reduzierung von Betten und Abteilungen dienen. Eine unabhängige Bestätigung dieser Darstellung liegt in den vorliegenden Angaben nicht vor. Fest steht jedoch, dass andere Einrichtungen der Stadt durch die Verlagerung von Patientinnen stärker beansprucht werden sollen.

Begründung der Regionalregierung

Ilja Saizew, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Sozialpolitik der Gesetzgebenden Versammlung der Region, verwies auf Vorgaben der föderalen Medizin. Demnach solle eine möglichst große Zahl von Geburten auf die dritte, hochtechnologische Versorgungsebene verlagert werden. In den vorliegenden Berichten werden allerdings keine Rechtsakte des russischen Gesundheitsministeriums genannt, die eine generelle Überweisung von Frauen mit unkomplizierten Schwangerschaften in Einrichtungen der dritten Ebene verbindlich vorschreiben.

Nach Angaben von Beschäftigten galten die Entbindungshäuser Nummer 4 und 6 in Krasnojarsk als technisch besonders gut ausgestattet und für die Betreuung komplizierter Geburten vorbereitet. Ihre Einschränkung oder Schließung unter dem Hinweis auf fehlende Wirtschaftlichkeit stößt deshalb auf Widerspruch. Die Behörden führen hingegen die sinkende Zahl der Geburten und die Kosten einzelner Einrichtungen an.

Die Berichte über die geplante Neuordnung der Geburtshilfe in Krasnojarsk nennen zudem eine wachsende Belastung des regionalen Perinatalzentrums. Eine genaue Zahl der zusätzlich zu versorgenden Patientinnen wird darin nicht angegeben. Ebenso ist nicht präzisiert, wie lange die vorübergehende Schließung des Entbindungshauses Nummer 6 dauern soll.

Abgesagtes Treffen mit dem Klinikpersonal

Ein für den 16. September geplantes Treffen von Beschäftigten mit Vertreterinnen und Vertretern der Behörden wurde abgesagt, nachdem die Medizinerinnen und Mediziner Journalisten eingeladen hatten. Das Vorgehen wird von den Beschäftigten als Zeichen mangelnder Bereitschaft zu einer öffentlichen Erörterung der Reform gewertet. In einzelnen Darstellungen ist außerdem von Drohungen mit sogenannten „schwarzen Listen“ für protestierendes Personal die Rede. Für diese Behauptung werden in den vorliegenden Informationen keine Namen oder schriftlichen Anordnungen genannt.

Das Klinikpersonal und Patientinnen richteten einen gemeinsamen Appell an die Behörden. Damit wurde die Auseinandersetzung über die konkrete Organisation der Geburtshilfe öffentlich. Im Mittelpunkt stehen die geplanten Eingliederungen, die Folgen für die Beschäftigten und die Frage, ob die verbleibenden Einrichtungen die zusätzlichen Aufgaben übernehmen können.

Unterbrochene Spezialversorgung

Besondere Bedeutung hat die vorübergehende Unterbrechung des Betriebs von Entbindungshaus Nummer 6 nach den Angaben aus Krasnojarsk auch deshalb, weil dort die einzige spezialisierte kardio-geburtshilfliche Brigade der Stadt angesiedelt gewesen sein soll. Ohne eine offizielle Zusage zur Wiedereröffnung bleibt offen, wie Schwangere mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen künftig betreut werden. Die vorliegenden Berichte beschreiben darin einen Verlust spezialisierter Kapazitäten innerhalb der städtischen Geburtshilfe.

Die Auseinandersetzung fällt in eine Phase, in der die russische Führung die demografische Entwicklung und eine höhere Geburtenrate zu politischen Prioritäten erklärt. In Krasnojarsk werden gleichzeitig Einrichtungen zusammengelegt und die Arbeit eines weiteren Entbindungshauses ausgesetzt. Kritiker sehen darin einen Widerspruch zwischen dem politischen Ziel und der regionalen Organisation der medizinischen Versorgung.

In der Debatte wird die Reform außerdem mit dem wachsenden Finanzierungsdruck auf die zivile Infrastruktur in Verbindung gebracht. Die vorliegenden Darstellungen führen dabei auch die hohen Ausgaben Russlands für den Krieg gegen die Ukraine an. Eine konkrete Budgetaufstellung für die Maßnahmen in Krasnojarsk wird jedoch nicht genannt. Nach Angaben der Behörden stehen bei der Neuordnung die Auslastung, die Geburtenzahlen und die Kosten der Einrichtungen im Vordergrund.

Weitere Darstellungen der Kontroverse, darunter die öffentliche Kritik an der Zusammenlegung der Kliniken, verweisen auf die Sorgen des Personals und der Patientinnen. Die regionale Reform soll nach den bisherigen Plänen schrittweise umgesetzt werden. Für das Entbindungshaus Nummer 6 bleibt der Zeitpunkt einer möglichen Wiederaufnahme des Betriebs offen.

Die Entscheidung über die organisatorische Zukunft der vier Entbindungshäuser liegt beim regionalen Gesundheitswesen und beim regionalen Perinatalzentrum. Die Diskussion über Personal, Versorgungskapazitäten und die Behandlung komplizierter Schwangerschaften dauert in Krasnojarsk an.

Die regionalen Behörden haben die Neuordnung mitgeteilt, eine vollständige öffentliche Erörterung ihrer sozialen Folgen steht nach den vorliegenden Angaben weiterhin aus. Eine weitere Darstellung zur Situation in den Krasnojarsker Entbindungskliniken beschäftigt sich ebenfalls mit den geplanten Veränderungen.

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