Russlands Zentralbank prüft Szenario für zweijährigen BIP-Rückgang

September 21, 2026 21:15
Russlands Zentralbank prüft Szenario für zweijährigen BIP-Rückgang
Russlands Zentralbank prüft Szenario für zweijährigen BIP-Rückgang

Die russische Zentralbank prüft ein Szenario, in dem das Bruttoinlandsprodukt des Landes zwei Jahre in Folge schrumpft. Für 2027 wird in diesem Fall ein Rückgang um 3 bis 4 Prozent erwartet, für 2028 um weitere 1,5 bis 2,5 Prozent. Zugleich könnte die Inflation auf 11 bis 13 Prozent steigen und der Leitzins auf 19 bis 21 Prozent zurückkehren. Die beschriebene Risikobewertung der russischen Geldpolitik steht im Zusammenhang mit einem möglichen Einbruch der Exporterlöse, einer Verschärfung der Sanktionen und einer stärkeren Belastung des Staatshaushalts.

Einzelne Einschätzungen gehen von einem noch stärkeren Rückgang aus. Das Szenario sieht sinkende Einnahmen aus dem Ölgeschäft und anderen Exporten vor. In der Folge könnte der Rubel unter Druck geraten, während die russische Regierung verstärkt auf staatliche Reserven zurückgreifen müsste. Genannt wird auch das Risiko einer deutlichen Verringerung des liquiden Teils des Nationalen Wohlfahrtsfonds.

Ölpreis und internationale Risiken

Zu den Annahmen gehört ein Rückgang des Ölpreises auf 25 bis 35 Dollar je Barrel. Hinzu kommen eine Verschärfung der Sanktionen und eine mögliche weltweite Finanzkrise mit einer Größenordnung wie im Jahr 2008. Als weiteres Risiko wird eine Krise an den Märkten für Unternehmen genannt, die im Bereich künstlicher Intelligenz tätig sind.

Unter diesen Bedingungen könnte die russische Ölproduktion ebenso wie der Export zurückgehen. Sinkende Einnahmen aus dem Ausland würden die budgetären Spielräume verringern und den Finanzierungsbedarf des Staates erhöhen. In den vorliegenden Darstellungen wird deshalb ein aktiverer Einsatz des Nationalen Wohlfahrtsfonds als Teil der Reaktion auf die Belastungen genannt.

Das von der Zentralbank betrachtete Szenario umfasst einen zweijährigen Rückgang der Wirtschaftsleistung. Ein solcher Zeitraum wird in den vorliegenden Einschätzungen mit den längsten Abschwüngen der vergangenen Jahrzehnte verglichen. Dabei handelt es sich um eine Risikovariante und nicht um eine sichere Prognose für die weitere Entwicklung.

Hohe Inflation, teurer Kredit

Für die Geldpolitik würde die Kombination aus Rezession und steigender Inflation einen engen Handlungsspielraum bedeuten. Bei einer Inflationsrate von 11 bis 13 Prozent könnte der Leitzins auf 19 bis 21 Prozent steigen. Die Finanzierungskosten für Unternehmen und private Haushalte würden damit höher liegen. Als mögliche Folgen werden Einschränkungen bei Kreditvergabe, Investitionen und privater Nachfrage genannt.

Gleichzeitig könnte eine schwächere Nachfrage den wirtschaftlichen Rückgang verstärken. Die vorliegenden Szenarien nennen einen Rückgang der Importe und des privaten Konsums. Auch ein anhaltendes Haushaltsdefizit wird als mögliche Folge angeführt. Eine expansive Unterstützung der Nachfrage könnte die Inflation zusätzlich belasten, während eine straffere Geldpolitik die Kreditaufnahme und Investitionen erschweren würde.

Die Entwicklung wäre nach dieser Einschätzung vor allem von den Ölpreisen, der weiteren Sanktionslage, der russischen Budgetpolitik und den Entscheidungen der Zentralbank abhängig. Die Faktoren werden getrennt als Bestandteile des Risikoszenarios genannt; eine bestimmte Entwicklung bei einzelnen Punkten ist damit nicht festgelegt.

Belastung durch Krieg und Sanktionen

In den politischen Einordnungen wird der mögliche Abschwung mit dem fünften Jahr des russischen Krieges gegen die Ukraine, den internationalen Sanktionen und der Verlagerung erheblicher staatlicher Mittel in den militärischen Bereich in Verbindung gebracht. Diese Darstellung verweist auf eine wachsende Belastung für Haushalt und Wirtschaft, ohne den Eintritt der genannten Risiken als sicher zu bewerten.

Die Sanktionen begrenzen nach den vorliegenden Angaben den Zugang zu Technologien und erschweren wirtschaftliche Aktivitäten. Zusammen mit niedrigeren Exporterlösen, einem möglichen Rückgang der Produktionsmöglichkeiten und hohen Finanzierungskosten könnte dies die wirtschaftliche Anpassungsfähigkeit Russlands weiter beanspruchen. Gleichzeitig werden in Russland weiterhin wirtschaftliche Umstrukturierung und Importsubstitution als Reaktionsmöglichkeiten angeführt.

Im Risikoszenario der Zentralbank sind eine stärkere budgetäre Unterstützung, eine intensivere Nutzung des Nationalen Wohlfahrtsfonds und eine deutlich restriktivere Geldpolitik vorgesehen. Wie lange staatliche Reserven, der Haushalt und private Haushalte die Folgen eines solchen Szenarios ausgleichen könnten, wird in den vorliegenden Angaben nicht beziffert.

Die veröffentlichten Angaben zum russischen Risikoszenario enthalten damit mehrere mögliche Entwicklungen, deren Eintritt von den internationalen Finanz- und Rohstoffmärkten sowie von politischen Entscheidungen abhängt. Eine endgültige Festlegung auf diese Entwicklung liegt nach den vorliegenden Informationen nicht vor.

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