Amstetten: Abend erinnert an Memelauers Predigt gegen NS-„Euthanasie“

Oktober 9, 2026 08:47
A man speaks to an audience seated in a hall during a public discussion.

Ein Themenabend in Amstetten stellte die Neujahrsansprache von St. Pöltens Bischof Michael Memelauer vom 31. Dezember 1941 in den historischen Zusammenhang der NS-„Euthanasie“. Im Mittelpunkt stand sein Satz: „Vor unserem Herrgott gibt es kein unwertes Leben.“

Der Theologe und Journalist Josef Wallner präsentierte die Predigt im Salesianerpfarre Amstetten Herz Jesu. Der Abend im Don-Bosco-Saal verband seinen Vortrag mit dem Film „Das Land, der Bischof und das Böse“ von Anita Lackenberger; eingeladen hatte das Katholische Bildungswerk der Pfarre.

Wallner ordnete die Tötung von Kranken und Menschen mit Behinderung als Entwicklung ein, die nicht erst unter dem Nationalsozialismus begann, sondern auf eugenischen Vorstellungen aufbaute, die bereits international verbreitet waren. Unter der NS-Herrschaft wurde die Idee eines „gesunden Volkskörper“ zur Staatsideologie und führte zur systematischen Ermordung von Menschen, deren Leben als „unwert“ bezeichnet wurde.

Er verwies dabei auch auf die Heil- und Pflegeanstalten Mauer-Öhling bei Amstetten und Ybbs sowie auf Transporte zur Tötungsanstalt Schloss Hartheim. Die zentral organisierten Transporte seien im August 1941 zwar offiziell gestoppt worden, die Morde an Kranken aber in dezentraler Form weitergegangen.

Wallner stellte Memelauers Predigt in den Kontext der kirchlichen Proteste jener Zeit und hob die Wirkung der Sommerpredigten des Münsteraner Bischofs Clemens August Graf von Galen hervor. Vor diesem Hintergrund habe Memelauer an Silvester 1941 gesprochen.

Nach Wallner argumentierte der Bischof nicht nur mit dem Gebot „Du sollst nicht töten“, sondern stellte den liebenden Gott und die unantastbare Würde jedes Menschen in den Mittelpunkt. Die entscheidende Passage lautete: „Vor unserem Herrgott gibt es kein unwertes Leben.“

Wallner beschrieb Memelauer als für seine Zeit „bemerkenswert modernen“ Bischof. Er verwies auf dessen Nähe zur liturgischen Bewegung, die Orientierung an der Bibel, eine verständliche Sprache und die besondere Verbindung zu jungen Menschen.

Die Predigt soll bei Gläubigen auf breite Zustimmung gestoßen sein; eine erkennbare Reaktion des NS-Regimes ist laut dem Bericht nicht festzustellen. Nach 1945 geriet das Schreiben lange in Vergessenheit und wurde erst Jahrzehnte später stärker als historisches Zeugnis gegen die NS-„Euthanasie“ in Österreich wahrgenommen.

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