An der Annenstraße in Graz erzählt eine historische Darstellung von einer sogenannten „Burgmauer“, die schon Anfang des 20. Jahrhunderts deplatziert wirkte. Nach der Einordnung von Stadthistoriker Karl Albrecht Kubinzky hatte sie jedoch wenig mit dem Mittelalter zu tun.
Die Mauer stand demnach am Eck von Annenstraße und Elisabethinergasse und diente dazu, ein militärisch wichtiges Gebäude zu schützen: das „Militärsammeltransporthaus“ auf ehemaligem Kirchenland. Dort wurden Soldaten vorübergehend untergebracht, bevor sie in eine neue Garnison weitertransportiert wurden.
In den politisch unruhigen Jahren um 1848 entschied die Militärverwaltung laut der Darstellung, das Sammeltransporthaus mit einer Mauer zu sichern und dort einen befestigten Punkt zu schaffen. Die Anlage erhielt dabei Zinnen, einen kleinen Turm und ein Burgtor; ihr militärischer Nutzen wurde allerdings nie geprüft.
Kubinzky betont, dass es im 19. Jahrhundert an dieser Stelle keine echte mittelalterliche Schlossmauer gab. Ein Aquarell aus dem Jahr 1910 zeigt bereits die elektrische Tram neben der Pseudobefestigung.
Nach dem Abbruch der alten Gebäude entstand auf dem Areal von 1913 bis 1914 das Roseggerhaus.


