Nach den landesweiten Gewaltausbrüchen in Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron den Vorschlag von Innenminister Bruno Retailleau, sein Amt niederzulegen, nicht angenommen. Nach Angaben des Élysée verwies Macron dabei auf die „notwendige Kontinuität bei der Führung der Sicherheitskräfte“.
Der Minister habe dem Präsidenten bereits am Sonntag seinen Rücktritt angeboten, teilte das Präsidialamt am Montag mit. Dieselbe Mitteilung führt zudem aus, Macron sehe im Vorfeld der Ausschreitungen in mehreren französischen Städten „Versäumnisse“ bei der Einsatzplanung der Polizei und bei der Informationsbeschaffung.
Frankreich hatte am Wochenende die schwersten politischen Unruhen seit Jahren erlebt. Bei landesweiten Protesten, unter anderem gegen hohe Lebenshaltungskosten, kam es zu Straßenschlachten mit der Polizei.
Nach Angaben des Innenministeriums wurden 2.397 Menschen festgenommen. Hunderte Geschäfte wurden geplündert, zudem gingen Gebäude und Fahrzeuge in Flammen auf.
Die Proteste hatten im September wegen des Lehrermangels in Schulen an sozialen Brennpunkten begonnen. Inzwischen richten sie sich generell gegen soziale Ungleichheit, Kürzungen bei den öffentlichen Ausgaben und die Inflation.
Die Unruhen setzen Macron vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr zusätzlich unter Druck. Der Präsident darf dann nicht mehr antreten; Umfragen deuten derzeit auf einen Wahlsieg der Rechtspopulistin Marine Le Pen hin.


