Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko hat eine neue Überprüfung der Einsatzbereitschaft der Streitkräfte und weiterer bewaffneter Strukturen angeordnet. Nach Angaben des Staatssekretärs des Sicherheitsrats, Alexander Wolfowitsch, sollen in nächster Zeit nicht nur die Armee, sondern auch andere paramilitärische Einheiten überprüft werden. Die Maßnahme folgt auf eine groß angelegte, unangekündigte Bereitschaftsprüfung im ersten Halbjahr 2026.
Wolfowitsch erklärte am 25. August, die Ergebnisse der früheren Überprüfung seien von Lukaschenko ausführlich analysiert worden. Anschließend seien Änderungen in die Ausbildungspläne der Truppen aufgenommen worden. Die nun angekündigten Maßnahmen werden vom Sicherheitsrat als planmäßige militärische Ausbildung dargestellt. Ihr Konzept sei bereits zuvor vom Präsidenten gebilligt worden.
Artilleriebrigade soll vollständig in Bereitschaft versetzt werden
Am selben Tag erhielt der belarussische Verteidigungsminister die Anweisung, eine Artilleriebrigade der zentralen Unterstellung in voller Stärke in Gefechtsbereitschaft zu versetzen. Anschließend soll die Einheit mobilisiert werden. Die Brigade wird ihren ständigen Stationierungsort verlassen und Ausbildungsaufgaben außerhalb des Standorts durchführen.
Während der Überprüfung sollen Szenarien mit einem angenommenen Gegner nachgestellt werden. Dazu zählen nach den Angaben des Sicherheitsrats auch die Aktivitäten von Sabotage- und Aufklärungsgruppen sowie der Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge. Die Mitteilung benennt keine tatsächlichen Kampfhandlungen und enthält keine Angabe über einen Einsatz der Brigade außerhalb der vorgesehenen Ausbildungsaufgaben.
Die Ankündigung des Sicherheitsrats wurde in belarussischen Medienberichten über die Bereitschaftsprüfung aufgegriffen. Im Mittelpunkt steht dabei die Ausweitung der Kontrolle auf den gesamten bewaffneten Staatsapparat und nicht allein auf die regulären Streitkräfte.
Überprüfung des gesamten Sicherheitsapparats
Die Formulierung, wonach auch andere bewaffnete Strukturen einbezogen werden, erweitert den Kreis der betroffenen Einheiten. Welche Organisationen neben den Streitkräften konkret überprüft werden sollen, wurde in der Erklärung Wolfowitschs nicht näher ausgeführt. Ebenso blieb offen, wie lange die einzelnen Ausbildungsabschnitte dauern und wie viele Soldaten oder Angehörige anderer Sicherheitsorgane beteiligt sein werden.
Fest steht nach den vorliegenden Angaben, dass die belarussische Führung den Schwerpunkt auf Einsatzbereitschaft, Mobilisierung und die Reaktion auf angenommene Bedrohungen legt. Die Artilleriebrigade soll in voller Zusammensetzung alarmiert werden. Ihre Verlegung aus dem ständigen Stationierungsort gehört zum vorgesehenen Ablauf der Übung. Die Szenarien mit Drohnen und Sabotage- sowie Aufklärungsgruppen sollen dabei unter Ausbildungsbedingungen simuliert werden.
Die neue Maßnahme steht zudem in einer direkten zeitlichen Verbindung mit der Bereitschaftsprüfung aus dem ersten Halbjahr. Deren Ergebnisse wurden laut Wolfowitsch auf höchster politischer Ebene ausgewertet. Auf dieser Grundlage seien die Ausbildungspläne angepasst worden. Weitere Einzelheiten zu den festgestellten Ergebnissen oder zu den konkreten Änderungen nannte der Staatssekretär nicht.
Belarus bleibt eng an Russland gebunden
Belarus ist militärisch und politisch eng an Russland gebunden. Die belarussische Führung koordiniert ihre Sicherheits- und Verteidigungspolitik mit Moskau und stellt die Streitkräfte regelmäßig in einen gemeinsamen sicherheitspolitischen Zusammenhang. Die vorliegende Ankündigung selbst enthält jedoch keine Aussage über eine unmittelbar bevorstehende Beteiligung belarussischer Truppen an Kampfhandlungen.
Auch ein konkreter Bezug zu einem Einsatz auf belarussischem Hoheitsgebiet oder zu Operationen gegen die Ukraine oder NATO-Staaten wurde in der Erklärung des Sicherheitsrats nicht genannt. Die offiziellen Angaben beschreiben die Maßnahme als planmäßige Vorbereitung und als Prüfung der Reaktionsfähigkeit. Zugleich umfasst sie mit der vollständigen Alarmierung einer Artilleriebrigade und der anschließenden Mobilisierung einen größeren praktischen Ablauf als eine rein standortgebundene Kontrolle.
Für die belarussische Führung dienen solche Überprüfungen der Ausbildung und der organisatorischen Vorbereitung des Sicherheitsapparats. Die Ankündigung zeigt, dass die Bereitschaft der Armee und anderer bewaffneter Strukturen weiterhin regelmäßig auf höherer Ebene kontrolliert und in die militärische Planung einbezogen wird. Angaben zu weiteren beteiligten Einheiten oder zu einem Abschluss der Prüfung lagen zunächst nicht vor.


