Der Nachrichtendienst und Sicherheitsdienst der Republik Moldau (SIB) hat russische Geheimdienste offiziell beschuldigt, eine groß angelegte Operation zur Sammlung personenbezogener Daten moldauischer Bürger zu koordinieren. Nach Angaben des SIB werden diese Informationen anschließend von transnationalen organisierten Kriminalitätsgruppen für Betrug und finanziellen Diebstahl genutzt. Der Dienst bezeichnete die Aktivitäten als Teil einer hybriden Kriegsführung mit dem Ziel, die nationale Stabilität zu untergraben und das Vertrauen der Bevölkerung in staatliche Institutionen zu erschüttern.
Nach Angaben des SIB werden die Daten über mehrere Kanäle beschafft. Dazu gehören illegal erlangte private Datenbanken, die im Darknet verkauft werden, Datenbanken aus unbefugten Zugriffen auf private Server sowie eine Datenbank der organisierten kriminellen Gruppe um den flüchtigen Oligarchen Ilan Șor. Diese soll Informationen über mehr als 145.000 moldauische Bürger enthalten. Zu den gesammelten Daten zählen vollständige Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Wohnanschriften sowie Kopien von Ausweisdokumenten.
Koordinierte hybride Operation
In einer offiziellen Erklärung teilte der SIB mit, dass die gesammelten Daten an grenzüberschreitend operierende kriminelle Gruppen weitergeleitet werden, die sie für Betrugsmaschen, den Diebstahl von Geldern von Bankkarten sowie weitere Finanzdelikte einsetzen. „Dabei handelt es sich nicht um vereinzelte Vorfälle. Diese Aktivitäten zielen darauf ab, die nationale Stabilität zu untergraben. Ziel der koordinierten Angriffe ist es, in der Gesellschaft ein Gefühl der Unsicherheit und des Misstrauens zu erzeugen“, erklärte der SIB.
Der Geheimdienst bringt die Operation unmittelbar mit russischen Nachrichtendiensten in Verbindung und bewertet sie als Bestandteil der hybriden Kriegsführung gegen Moldau. Nach Einschätzung des SIB dienen die erbeuteten personenbezogenen Daten als Instrument zur Ausübung von Druck, zur Manipulation demokratischer Prozesse sowie zur Destabilisierung der Gesellschaft.
Empfehlungen an die Bevölkerung
Der SIB rief die Bürger Moldaus dazu auf, unbekannten Personen keine persönlichen Daten mitzuteilen, Passwörter nicht telefonisch preiszugeben und Anfragen nach Zugangscodes oder Geldüberweisungen sorgfältig zu überprüfen.
Die Operation richtete sich gegen Moldau, dessen Regierung einen proeuropäischen Kurs verfolgt und dessen EU-Beitrittskandidatenstatus besteht. Nach Einschätzung des SIB verdeutlicht die Beteiligung des Netzwerks um Ilan Șor – einer prorussischen politischen und kriminellen Struktur – die Einbindung inländischer oppositioneller Akteure in russische Geheimdienstoperationen.


