Das prorussische Hackergruppierung „Server Killers“ hat nach eigenen Angaben eine dreitägige Cyberattacke auf staatliche digitale Dienste Norwegens verübt. Der Angriff dauerte vom 24. bis zum 26. August 2026 und richtete sich gegen Systeme der norwegischen Digitalisierungsbehörde Digdir. Nach Angaben ihres Sprechers Are Kvistad war es die größte Attacke auf die Prozesse der digitalen Dienstleistungserbringung, mit der Norwegen bisher konfrontiert gewesen sei. Über den Angriff und die Verantwortungsübernahme berichteten am 26. August Medien, darunter auch Berichte über die Cyberattacke auf norwegische Behördendienste.
Überlastung staatlicher Dienste
Bei dem Angriff handelte es sich um eine sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Attacke, kurz DDoS. Dabei wird ein Ziel mit sehr großen Mengen an Datenverkehr belastet, sodass digitale Angebote nur eingeschränkt oder zeitweise nicht erreichbar sind. Nach den vorliegenden Angaben zielten die Angreifer auf die Infrastruktur von Digdir.
Betroffen war unter anderem ein Dienst, der norwegischen Bürgerinnen und Bürgern die Nutzung eines einzigen Logins für den Zugang zu mehreren staatlichen Leistungen ermöglicht. Die Attacke richtete sich damit gegen digitale Zugänge zu öffentlichen Diensten. Angaben zu einem Diebstahl von Daten oder zu einer dauerhaften Beschädigung der Systeme liegen in den vorliegenden Informationen nicht vor.
Digdir-Sprecher Are Kvistad bezeichnete den Vorfall als die größte Cyberattacke, die Norwegen bisher gegen seine Prozesse zur Bereitstellung digitaler Leistungen erlebt habe. Zugleich wurde mitgeteilt, dass die digitale Infrastruktur die dreitägige Belastung überstand. Weitere Einzelheiten zum technischen Ablauf oder zum konkreten Umfang der Einschränkungen wurden zunächst nicht genannt.
Verbindung zur Unterstützung der Ukraine
„Server Killers“ erklärte in einem Beitrag im Messenger Telegram, man erkläre Norwegen den Cyberkrieg. Als Begründung nannte die Gruppe die Entscheidung Oslos, die Sicherheits- und Verteidigungszusammenarbeit mit der Ukraine fortzusetzen. Die Erklärung folgte wenige Tage nach einem offiziellen Besuch des norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre in Kiew.
Støre hatte während seines Besuchs angekündigt, dass Norwegen der Ukraine im Jahr 2027 erneut 85 Milliarden norwegische Kronen aus dem Staatshaushalt zur Verfügung stellen werde. Das entspricht nach den vorliegenden Angaben rund 9,2 Milliarden US-Dollar. Die Unterstützung soll im Rahmen der finanziellen Hilfe für die Ukraine erfolgen, die sich gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt.
Die norwegische Regierung hatte die Verlängerung der Zusammenarbeit mit der Ukraine am 23. August bekanntgegeben. Die Ankündigung der finanziellen Unterstützung und die Erklärung der Hackergruppe lagen damit zeitlich eng beieinander. „Server Killers“ stellte in seinem Telegram-Beitrag selbst einen Zusammenhang zwischen der norwegischen Ukraine-Politik und der Cyberattacke her. Eine unabhängige Bestätigung, dass die Gruppe tatsächlich für den Angriff verantwortlich ist, wurde in den vorliegenden Angaben nicht genannt.
Angriff auf öffentliche Infrastruktur
Prorussische Hackergruppen haben in dem Fall einen staatlichen Anbieter digitaler Dienstleistungen ins Visier genommen. Die Attacke zielte nach derzeitigem Stand darauf, den Zugang zu digitalen Angeboten durch massenhaften Datenverkehr zu erschweren. Damit unterschied sich der bekannte Angriffstyp von Operationen, bei denen Systeme verschlüsselt, Daten entwendet oder Netzwerke dauerhaft manipuliert werden.
Die Verantwortungsübernahme erfolgte über einen öffentlichen Kommunikationskanal der Gruppe. „Server Killers“ begründete die Aktion politisch mit der Unterstützung Norwegens für die Ukraine. Die vorliegenden Informationen enthalten jedoch keine Angaben darüber, ob russische staatliche Stellen den Angriff angeordnet, unterstützt oder operativ begleitet haben.
Der Vorfall betrifft einen Bereich, der für die Verwaltung staatlicher Leistungen in Norwegen von Bedeutung ist. Die betroffene Login-Lösung bündelt den Zugang zu mehreren Behördenangeboten. Eine Störung dieses Zugangs kann daher mehrere digitale Dienste gleichzeitig erreichen. Konkrete Angaben zu ausgefallenen Leistungen, zur Zahl betroffener Nutzer oder zur Dauer einzelner Einschränkungen wurden nicht veröffentlicht.
Norwegens Ukraine-Hilfe
Die angekündigten 85 Milliarden norwegischen Kronen für 2027 sollen nach den vorliegenden Informationen bereits das dritte Jahr in Folge bereitgestellt werden. Norwegen unterstützt damit die Ukraine finanziell im Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg. Die Entscheidung wurde von Ministerpräsident Støre in Kiew bekanntgegeben.
Die Erklärung von „Server Killers“ richtete sich ausdrücklich gegen diese politische Linie. Neben der finanziellen Hilfe verwies die Gruppe auf die fortgesetzte Sicherheits- und Verteidigungskooperation zwischen Norwegen und der Ukraine. Weitere Forderungen der Hackergruppe oder Angaben zu möglichen zusätzlichen Angriffen wurden in den vorliegenden Informationen nicht genannt.
Der Angriff vom 24. bis 26. August war nach Angaben von Digdir auf die Überlastung digitaler Behördenangebote ausgerichtet. Die norwegische Behörde blieb nach den vorliegenden Angaben funktionsfähig. Die Untersuchung des Vorfalls und die technische Bewertung der betroffenen Systeme waren damit nicht abgeschlossen.


