Die deutsche AfD liegt einer Umfrage zufolge wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bei rund 42 Prozent. Damit würde sie die CDU um etwa 20 Prozentpunkte übertreffen. Gleichzeitig erklärten 22 Prozent der Befragten, Deutschland verlassen zu wollen, sollte künftig ein Vertreter der AfD zum Bundeskanzler gewählt werden. 47 Prozent sind der Ansicht, eine von der AfD geführte Bundesregierung würde Deutschland schaden.
Die Angaben stammen aus einer Erhebung des Instituts INSA für die Bild. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ist für den 6. September 2026 angesetzt. Das Ergebnis der Umfrage beschreibt damit die politische Stimmung vor der Abstimmung, nicht das tatsächliche Wahlergebnis.
Hohe Zustimmung vor der Landtagswahl
Nach den vorliegenden Zahlen käme die AfD in Sachsen-Anhalt auf einen Wert, der deutlich über jenem der CDU liegt. Der Abstand wird mit rund 20 Prozentpunkten angegeben. Für die Partei wäre dies ein besonders starkes Ergebnis bei einer Landtagswahl, sollte sich die Umfrage am Wahltag bestätigen.
Die Erhebung fragt zugleich nach den möglichen Folgen einer AfD-geführten Bundesregierung. Fast die Hälfte der Befragten bewertet ein solches Szenario negativ. 22 Prozent geben an, in diesem Fall über einen Wegzug aus Deutschland nachzudenken beziehungsweise das Land verlassen zu wollen. Die Umfrage macht keine Angaben dazu, ob diese Personen bereits konkrete Auswanderungspläne haben.
Eine Analyse zur politischen Lage vor der Wahl in Sachsen-Anhalt verweist darauf, dass ein Erfolg der AfD über die Landespolitik hinausreichen könnte. Im Mittelpunkt stehen dabei die weiteren Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Der mögliche Einfluss eines Ergebnisses in Sachsen-Anhalt auf die Bundespolitik wird als Teil einer breiteren politischen Entwicklung in Deutschland beschrieben.
Positionen des Landesvorsitzenden
Der AfD-Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, tritt für eine Aufhebung der Sanktionen gegen Russland ein. Außerdem befürwortet er die Wiederaufnahme des Russischunterrichts sowie einen erneuten Ausbau von Austauschbeziehungen mit Russland.
Im Umgang mit ukrainischen Flüchtlingen vertritt Siegmund nach den vorliegenden Angaben die Position, sie als illegale Migranten zu behandeln. Damit verbindet sich eine andere rechtliche und politische Einordnung als jene, die im bisherigen Umgang mit aus der Ukraine geflüchteten Menschen zugrunde liegt. Weitere Einzelheiten zu möglichen gesetzlichen Schritten werden in dem Material nicht genannt.
Die Forderung nach einer Aufhebung der Russland-Sanktionen würde die deutsche Politik gegenüber Moskau verändern. Deutschland müsste eine solche Position zudem im Verhältnis zur gemeinsamen Sanktionspolitik der Europäischen Union und zu seinen Partnern abstimmen. Das Material bewertet eine Normalisierung der Beziehungen zum Kreml trotz des andauernden russischen Krieges gegen die Ukraine als möglichen Konflikt mit der konsolidierten Haltung der EU und den Partnern in der NATO.
Bundespolitische Bedeutung
Die AfD kann auf Landesebene auch dann an Einfluss gewinnen, wenn sich daraus nicht unmittelbar eine Regierungsbildung ergibt. Für die politische Bewertung der Wahl ist daher neben dem Stimmenanteil entscheidend, welche Mehrheiten im Landtag möglich wären und wie die anderen Parteien mit der AfD umgehen. Konkrete Koalitionsentscheidungen liegen in den vorliegenden Angaben nicht vor.
Die Umfragewerte und die Antworten auf die Frage nach einem möglichen Wegzug zeigen unterschiedliche Seiten derselben politischen Lage: Auf der einen Seite steht die hohe Unterstützung für die AfD in Sachsen-Anhalt, auf der anderen die deutliche Ablehnung einer Bundesregierung unter ihrer Führung. Die Angaben belegen jedoch weder eine tatsächliche Regierungsübernahme auf Bundesebene noch eine unmittelbar bevorstehende Auswanderungsbewegung.
Die nächsten politischen Bezugspunkte sind die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September sowie die später genannten Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Bis dahin bleiben die veröffentlichten Zahlen Umfragewerte und die Reaktionen auf ein hypothetisches Szenario.


