Unruhen in Niger: Angreifer nehmen Flughafen und Fernsehsender ein
Im westafrikanischen Sahel-Staat Niger haben Angreifer den internationalen Flughafen sowie das Gebäude des staatlichen Fernsehsenders erobert. Laut einem Militäroffizier konnten nationale Sicherheitskräfte bisher den Präsidentenpalast in der Hauptstadt Niamey verteidigen. Die Angriffe begannen in der Nacht auf Samstag, begleitet von Schüssen und Explosionen in der Stadt.
Die schwer umkämpfte Zone umfasst den Präsidentenpalast und den Diori Hamani Flughafen. Berichten zufolge starteten die Unruhen gegen 1:00 Uhr Ortszeit und dauerten mehrere Stunden. Die Hintergründe und Urheber der Kämpfe bleiben zunächst unklar. Augenzeugen berichteten von schweren Mörserangriffen auf den Präsidentenpalast sowie gewaltsamen Zusammenstößen in der Umgebung des Flughafens. In verschiedenen Stadtteilen wurde die Stromversorgung unterbrochen.
Der ehemalige Kommunikationsberater des abgesetzten Präsidenten Mohamed Bazoum, Hamid Amadou N’gadé, bestätigte die Angriffe und berichtete von gezielten Attacken auf die Militärbasis am Flughafen. Laut Bana Wagana Ibrahim, Mitglied des Präsidiums des Konsultativrats von Niger, waren die Angreifer vor allem auf die militärische Infrastruktur aus.
Ähnliche Vorfälle ereigneten sich bereits im Juni und Januar, wobei auch damals der Flughafen und Regierungsgebäude im Visier der Angreifer standen. Auf der Militärbasis sind russische Söldner und türkische Drohnen stationiert. Bei einem Angriff im Januar bekannte sich ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS Sahel) zu den Attacken.
Niger, ein Binnenstaat mit rund 28 Millionen Einwohnern, zählt zu den ärmsten Ländern der Welt. Der Militärputsch im Juli 2023 führte zur Absetzung des Präsidenten und zur Machtübernahme durch General Abdourahamane Tiani, der öffentliche Wahlen bis mindestens 2030 ausgeschlossen hat.
Einordnung
Die Angriffe in Niger verdeutlichen die anhaltende Instabilität im Land und die Herausforderungen für die Militärregierung. Die Eroberung strategischer Infrastruktur könnte die Sicherheitslage weiter verschärfen und zu neuen Gewaltspiralen führen, die auch die Regionalpolitik beeinflussen.


