Studie: Mehrheit der EU-Bürger sieht USA nicht mehr als verlässlichen Partner
Knapp eineinhalb Jahre nach Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump wünschen sich immer mehr Menschen in der EU größere Unabhängigkeit von den Vereinigten Staaten. Laut einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der Bertelsmann Stiftung halten zudem 58 Prozent der Befragten die USA nicht mehr für einen vertrauenswürdigen Partner.
Insgesamt sind inzwischen 73 Prozent der EU-Bürger der Ansicht, Europa solle seinen eigenen Weg gehen. Der Anteil derjenigen, die mehr Eigenständigkeit befürworten, stieg seit 2024 um zehn Prozentpunkte. Das Ansehen der USA als wichtigster Partner der Europäischen Union sank im selben Zeitraum um 20 Prozentpunkte auf 31 Prozent.
Die Autoren der Analyse führen die Entwicklung auf einen polarisierenden US-Präsidenten und zunehmende geopolitische Spannungen zurück. Für die Studie wurden zwischen September 2024 und März 2026 regelmäßig Menschen in allen 27 EU-Staaten befragt.
Das wachsende Streben nach Unabhängigkeit geht der Studie zufolge nicht mit einer stärkeren Hinwendung zu China einher. Die Volksrepublik werde in Europa weiterhin mit Skepsis betrachtet. Stattdessen gewinnen das Vereinigte Königreich und Kanada innerhalb des westlichen Bündnisses als Partner an Bedeutung.
Die Unterstützung für die NATO bleibt laut den Ergebnissen stabil. 63 Prozent der Befragten bezeichnen das Bündnis weiterhin als zentralen Pfeiler der Sicherheit. Damit steigt der Wunsch nach europäischer Eigenständigkeit, ohne die Rolle der NATO grundlegend infrage zu stellen.
„Die Europäerinnen und Europäer wollen unabhängiger von den Vereinigten Staaten werden“, sagte Florian Kommer von der Bertelsmann Stiftung. Das Vertrauen in Amerika und dessen Rolle als zentraler Partner Europas sei gesunken. Die Partnerschaft sei nicht unwiederbringlich verloren, doch die Daten zeigten eine strukturelle Belastung der transatlantischen Beziehungen. Die Politik solle dies in konkrete Maßnahmen und Investitionen in Europas eigene Fähigkeiten übersetzen, forderte Kommer.
Einordnung
Die Ergebnisse der Studie deuten auf eine Verschiebung innerhalb des westlichen Bündnisses hin: Europa orientiert sich weniger an den USA und stärker an mehreren Partnern gleichzeitig. Dies verändert die Grundlage der transatlantischen Zusammenarbeit und erhöht den Druck auf EU-Staaten, eigene außen- und sicherheitspolitische Kapazitäten auszubauen.


