Proteste gegen Oranier-Parade in Nordirland
In der nordirischen Stadt Portadown blockieren seit Sonntagfrüh Gegendemonstranten eine umstrittene Parade des protestantischen Oranier-Ordens. Dies ist der erste Marsch in dieser Region seit den 1990er-Jahren, nachdem die zuständige Parades Commission eine Genehmigung für den Verlauf entlang der Garvaghy Road erteilt hatte.
Hunderte von Protestierenden, darunter hochrangige Mitglieder der Sinn Féin, versammelten sich trotz starkem Regen an der Umgehungsstraße. Zu diesen Protestierenden zählt auch die nordirische Regierungschefin Michelle O’Neill. Die Parade, an der 35 Teilnehmer ohne Bands oder Unterstützer teilnehmen sollten, konnte in Folge der Blockade nicht starten.
Gavin Robinson, der Führer der pro-britischen Democratic Unionist Party (DUP), kritisierte die Teilnahme von Sinn Féin an den Protesten. Die beiden Parteien sind Teil der nordirischen Einheitsregierung. Chris Bryant, der britische Nordirlandminister, kündigte an, früher nach Belfast zurückzukehren, um Gespräche mit den Politikern beider Seiten zu führen.
O’Neill forderte auf der Plattform X „Ruhe auf allen Seiten“, unterstützte jedoch das Recht der Anwohner, gegen den „unerwünschten konfessionell geprägten Marsch“ zu protestieren. Auch der britische Premier Andy Burnham appellierte an beide Seiten zur Ruhe und betonte, dass die erzielten Fortschritte in Nordirland nicht rückgängig gemacht werden dürften.
Der Konflikt in Nordirland dauerte drei Jahrzehnte und endete 1998 mit dem Karfreitagsabkommen, das eine gemeinsame Verwaltung einrichtete. Die Parades Commission hatte seitdem dem Oranier-Orden untersagt, durch die Garvaghy Road zu marschieren, erteilte jedoch in diesem Jahr erstmals wieder eine Genehmigung für einen stillen Marsch ohne musikalische Begleitung.
Einordnung
Die aktuelle Situation zeigt eine erneute Eskalation der Spannungen zwischen protestantischen und katholischen Gemeinschaften in Nordirland. Der Streit um die Parade wirft Fragen zur Stabilität der politischen Verhältnisse und der gesellschaftlichen Koexistenz auf, nachdem in den letzten Jahren Fortschritte erzielt wurden.


