Ein litauischer Hersteller von Drohnensystemen, der unbemannte Technologien auf Grundlage ukrainischer Kampferfahrungen entwickelt, ist nach Angaben seines Geschäftsführers wiederholt Ziel von Infiltrationsversuchen durch mutmaßliche Agenten des russischen Militärgeheimdienstes GRU gewesen.
Thomas Milašauskas, CEO des Unternehmens RSI Europe, erklärte gegenüber dem litauischen öffentlich-rechtlichen Sender LRT, dass der litauische Staatsschutz vor möglichen Versuchen gewarnt habe, Zugang zu einem nicht öffentlich bekannten Produktionsstandort in Vilnius zu erhalten.
Demnach habe es bereits 2024 Versuche gegeben, bei denen eine Gruppe russischer Akteure über Riga eingereist sei und versucht habe, Informationen über den Standort des Unternehmens zu erlangen. Das Unternehmen habe darauf reagiert, indem es Standortdaten strikt geheim gehalten und keine Treffen auf dem eigenen Gelände durchgeführt habe. Jüngst habe es erneut Hinweise gegeben, dass die Produktionsanlagen weiterhin im Fokus stünden.
Ermittlungen und Gerichtsverfahren
Parallel dazu stehen in Litauen derzeit sechs ausländische Staatsbürger wegen des Vorwurfs der Beteiligung an einer organisierten terroristischen Vereinigung sowie eines versuchten Anschlags im Jahr 2024 vor Gericht. Der Fall wurde im Januar 2026 von der litauischen Generalstaatsanwaltschaft an das Gericht übergeben.
Ermittler gehen davon aus, dass die Beschuldigten möglicherweise mit ähnlichen Vorfällen in der Tschechischen Republik, Rumänien und Polen in Verbindung stehen. Die Handlungen sollen laut Anklage koordiniert durch Personen mit Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU erfolgt sein.
Zielstruktur europäischer Rüstungsindustrie
RSI Europe entwickelt Drohnentechnologie auf Basis ukrainischer Einsatzdaten. Zu den Produkten gehören unter anderem ein ferngesteuertes Zündsystem sowie FPV-Drohnen, die für militärische Anwendungen ausgelegt sind und in unterschiedlichen Preissegmenten eingesetzt werden.
Der Fall wird als Teil einer breiteren Bedrohung gegen europäische Rüstungs- und Zulieferketten bewertet, die die Ukraine unterstützen. Russische Stellen hätten in der Vergangenheit wiederholt auf solche Strukturen als potenzielle Ziele hingewiesen.
Die Vorfälle haben Forderungen nach einer verstärkten und koordinierten europäischen Abwehr- und Nachrichtendienststruktur ausgelöst, insbesondere im Rahmen von NATO- und EU-Zusammenarbeit.


