Die traditionsreiche Geschichte der Mühle an der Feistritz wird durch die sorgfältigen Aufzeichnungen des Augustinerpriors Laurenz Hoß dokumentiert. Ein Besitzverzeichnis aus dem Jahr 1475 belegt, dass die Augustiner damals drei Mühlen an der Feistritz besaßen: die Pöldinmühle, eine Mühle auf der Resch und vermutlich die Konsummühle. Über Generationen prägten wirtschaftliche Entwicklungen, Besitzwechsel und technische Neuerungen das Schicksal dieses markanten Ortes, der eng mit dem Wandel von Stadt und Region verbunden ist. Darüber berichtet Welt Stimme.
FÜRSTENFELD. Der Tod von Josef Holler um 1905 markierte einen tiefen Einschnitt: Die Mühle gelangte in den Besitz seiner vier Töchter – Fischer Anna, Fröhlich Theresia, Roch Kathi und Suppan Amalie. Die Erbengemeinschaft teilte das Anwesen, wobei Suppan Amalie mit zwei Fünfteln den größten Teil erhielt. Im Jahr 1914 wurde die Mühle an den Konsum- und Sparverein „Vorwärts“ verkauft. Bereits zwei Jahre später war sie im Besitz des Allgemeinen Spar- und Konsumvereins in Graz, der als Konsumgenossenschaft die Geschäfte weiterführte.
In den 1920er Jahren dominierte moderne Ingenieurskunst: Die marode hölzerne Wehranlage wurde durch ein betoniertes Schleusenwerk ersetzt. Die neue Wehranlage besteht aus einer festen Betongrundwehr mit vier Hochwasserschleusen und einer Grundablassschleuse. Um das Wehrprofil zu optimieren, wurde der mittlere Wehrpfeiler durch eine umlegbare Griessäule ersetzt. Anstelle eines öffentlichen Bedienungsstegs wurde eine private Brücke der dritten Klasse errichtet.
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen
Der damals geschaffene Wehrkörper überdauert sieben Jahrzehnte nahezu unverändert und dokumentiert so den technischen Fortschritt jener Zeit. Mit der wasserrechtlichen Endbeschau 1922 wurde der Konsumgenossenschaft und deren Rechtsnachfolger*innen, insbesondere den Eigentümer*innen der Häuser Nr. 34 und 35 der Ledergasse, das Recht eingeräumt, bei Überschreiten des Normalwasserspiegels das Öffnen der Schleusen zu verlangen – ein bedeutender Schritt für die Regulierung der Feistritz.
Die Wirren der 1940er Jahre hinterließen auch an der Mühle ihre Spuren. Im Jahr 1943 gehörte sie dem „Gemeinschaftswerk der deutschen Arbeiterfront“. Die letzten Kriegstage in 1945 führten zu erheblichen Schäden an Wohn- und Wirtschaftsgebäuden, sodass das am linken Feistritzufer gelegene Mühlengebäude einstürzte. Ein Jahr später wurde das Gebäude in der Mühlgasse 10 abgerissen, was zur Räumung des Wohnhauses samt Schmiede und dem Abriss weiterer Gebäudeteile im Jahr 1947 führte.
Die Nachkriegszeit war von schwierigen Lebensverhältnissen geprägt: 1948 berichtete die Stadtpolizei von untragbaren hygienischen Zuständen in der Mühle, die zu dieser Zeit von der steirischen Konsumgenossenschaft als Bäckerei genutzt wurde. Das Wirtschaftsgebäude wurde notdürftig zu einem Getreidemagazin umgebaut. 1949 folgte schließlich die Räumung der Schmiedewerkstätte im baufälligen Konsummühlengebäude – ein letzter Schritt in einer langen Reihe von Umbrüchen und Anpassungen, die das Erscheinungsbild und die Nutzung der Mühle bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts prägten.
Diese Chronik verdeutlicht eindrücklich, wie historische Umwälzungen, technische Innovationen und gesellschaftliche Veränderungen das Schicksal eines einzelnen Ortes nachhaltig beeinflussen können. Die Geschichte der Mühle an der Feistritz bleibt ein lebendiges Zeugnis regionaler Identität und des beständigen Wandels. Fortsetzung in der nächsten Ausgabe.


