Netz-Tarife: PV-Anlagen-Besitzer müssen künftig verbrauchen oder speichern, sonst wird es teuer.
BEZIRK NEUNKIRCHEN. In Niederösterreich gibt es über 140.000 Photovoltaikanlagen, davon 5.677 im Bezirk Neunkirchen. Diese Anlagen können den Energieverbrauch von etwa 846.000 Haushalten decken, was einer Verdreifachung in den letzten zwei Jahren entspricht.
Das geplante Elektrizitätswirtschaftsgesetz (EIWG) verpflichtet PV-Anlagen-Besitzer künftig zur Zahlung von Netzkosten. Obwohl die anfängliche Euphorie über die „kostenlose“ Sonnenenergie vorhanden war, sorgt die Einführung einer Einspeisegebühr für Frustration. Wer selbst erzeugten Strom ins Netz einspeisen möchte, muss eine Gebühr zahlen, die leistungsabhängig ist und möglicherweise die derzeitige Netzanschluss-Pauschale von rund 50 Euro jährlich übersteigt.
Jetzt wird neu gerechnet
Das neue Gesetz steht weiterhin zur Debatte und eine politische Entscheidung steht noch aus. Daniel Hantigk von e-control erklärt, dass „es für jene, die möglichst viel selbst erzeugten Strom verbrauchen, sogar günstiger werden könnte“. Jedoch steigen die Kosten mit zunehmender Einspeisung, da mehr Netzleistung benötigt wird.
Die Neunkirchner müssen nun berechnen, wann sich die Investition in eine eigene PV-Anlage amortisiert. Die Anschaffung eines Stromspeichers oder sogar eines E-Autos könnte in diesem Zusammenhang „sich jetzt lohnen“.
Gerhard Weninger, ein Ternitzer, setzt aus Überzeugung auf Sonnenstrom und fährt neuerdings auch ein E-Auto. Er äußert seinen Unmut über die geplante Einspeisegebühr: „Die Gebühr belastet genau jene Menschen, die Verantwortung übernehmen – Familien, Bauherren und kleinere Unternehmen. Wer sich keinen Speicher leisten kann, wird bestraft. Das ist ungerecht.“
„Man kann den Autarkiegrad erhöhen und selbst bestmöglich den eigenen Sonnenstrom verbrauchen.“
Katharina Fuchs, KEM Schwarzatal
Katharina Fuchs, Modellregionsmanagerin der Klima- und Energiemodellregion Schwarzatal, rät dazu, Teil erneuerbarer Energiegemeinschaften zu werden: „In einer Regionalen EEG reduzieren sich die Netzkosten für den in der EEG konsumierten Strom um 28 Prozent.“
Daniel Pölzlbauer aus Aspang hat eine Lösung parat. Er erklärt: „Wir haben diese Auswirkungen bereits vor vier Jahren vorhergesehen und ein eigenes ultraschnelles Komplett-System entwickelt, da es am Markt oft keine geeigneten Lösungen gab. Viele Herausforderungen liegen an den Limits der Batterietechnologie. Unsere Tests mit Geräten und Speichern von über 15 großen Herstellern haben dies bestätigt. Wer zukünftig die Netzleistung nicht berücksichtigt, wird trotz Photovoltaik mit hohen Fixkosten konfrontiert sein. Deshalb sind durchdachte Systeme mit echtem Lastmanagement entscheidend – einfache Speicher sind nicht genug.“
Batterie statt Netz
- Bis 2040 wird sich der Strombedarf verdoppeln.
- Laut „PV Austria“ muss daher die Batteriespeicherleistung mitwachsen – mit 28 Prozent benötigt Niederösterreich im Bundesländervergleich den größten Zugewinn.


