In Tirol fällt der Equal Pay Day heuer auf den 26. Oktober. Ab diesem Stichtag arbeiten Frauen statistisch gesehen bis Jahresende unbezahlt, weil sie im Schnitt weniger verdienen als Männer.
Der Equal Pay Day soll auf die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern aufmerksam machen. Grundlage der Berechnung sind die durchschnittlichen Bruttojahresbezüge von Beschäftigten, die ganzjährig und in Vollzeit arbeiten.
Nach einer aktuellen Auswertung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) verdienen Frauen in Tirol dabei im Durchschnitt 11.819 Euro brutto pro Jahr weniger als Männer. Das entspricht einem Einkommensnachteil von 18,1 Prozent.
Österreichweit liegt der Equal Pay Day heuer erst am 5. November. In Tirol ist die Lücke damit früher sichtbar als im Bundesdurchschnitt.
Am größten ist der Unterschied laut ÖGB im Bezirk Schwaz mit 21,8 Prozent beziehungsweise 13.751 Euro im Jahr. Danach folgen Imst mit 21,5 Prozent oder 13.564 Euro und Reutte mit 21,4 Prozent beziehungsweise 13.398 Euro.
Am geringsten fällt die Differenz im Tirol-Vergleich in der Stadt Innsbruck aus. Dort beträgt sie 10,5 Prozent beziehungsweise 6.880 Euro.
Tirolweit kommen Frauen laut der Auswertung auf ein durchschnittliches jährliches Bruttoeinkommen von 53.399 Euro, Männer auf 65.217 Euro. Die geschäftsführende ÖGB-Landesvorsitzende Sonja Föger-Kalchschmied sieht dahinter strukturelle Ursachen: „Nicht die Frauen sind schuld an der Lohnlücke, sondern ein System, das Arbeit unterschiedlich bewertet“.
Eine zentrale Forderung des Gewerkschaftsbundes ist die Umsetzung der europäischen Lohntransparenzrichtlinie. Österreich hätte diese bis zum 7. Juni 2026 in nationales Recht übertragen müssen.
Der ÖGB verlangt unter anderem verpflichtende Einkommensberichte auch für kleinere Unternehmen, familienfreundlichere Arbeitszeitmodelle sowie mehr Kinderbetreuungs- und Pflegeeinrichtungen. Zudem sollen mehr Frauen Führungspositionen und Entscheidungsgremien erreichen.
Nach Berechnungen der volkswirtschaftlichen Abteilung des ÖGB könnten Frauen bei einer Schließung der Lohn- und Gehaltslücke durchschnittlich bis zu 366 Euro netto mehr pro Monat zur Verfügung haben. Insgesamt könnten dadurch rund 13,5 Milliarden Euro zusätzlich bei Frauen ankommen, weitere bis zu neun Milliarden Euro könnten laut Gewerkschaft in die öffentlichen Kassen fließen.


