Walter Scheiber reflektiert 40 Jahre als Wirt des „Kreuzwirt“ in St. Ulrich
Seit rund 40 Jahren führt Walter Scheiber den „Kreuzwirt“ in St. Ulrich. Er erzählt von legendären Discoabenden und Stammtischrunden.
ST. ULRICH. Walter Scheiber wurde in das Wirtsleben gewissermaßen hineingeboren. Seine Familie betrieb und betreibt das Gasthaus „Kreuzwirt“ in St. Ulrich, und es stand schon früh fest, dass er den Betrieb übernehmen sollte. Wie er die letzten vier Jahrzehnte erlebt hat, schildert er im folgenden Interview. Darüber berichtet Welt Stimme.
Welche Aufgabe hatte das Wirtshaus einst?
Walter Scheiber: Noch vor einigen Jahren gab es in jedem Dorf zumindest ein Gasthaus. Es gab unzählige Gründe, ins Gasthaus zu gehen. Man wollte Freunde und Kumpel treffen, miteinander reden, herausfinden, was es Neues gibt, jemandem sein Herz ausschütten, einfach kurz einmal weg und nicht erreichbar sein … Die oft beschriebene Veränderung ist eigentlich vor Corona schon spürbar gewesen. Ein Grund war bestimmt der Vormarsch der Smartphones und die damit verbundene Veränderung der Gesprächskultur. Statt miteinander zu reden, wurde online kommuniziert.
Welche Rolle hat der Wirt?
Der Wirt hat meiner Meinung nach eine soziale Funktion. Früher ließen die Gäste ihren Frust und Ärger – immer unter der Verschwiegenheitsklausel – oft bei mir ab. Heute wird der Gastwirt von Sozialarbeitern ersetzt, die mitunter realitätsfern sind und denen der praktische Zugang zu den Menschen und ihren kleinen und großen Sorgen und Ängsten fehlt. Als Wirt muss man ein guter Zuhörer sein. Am Ende sollte der Gast das Lokal zufrieden verlassen.
Was suchen Gäste heutzutage im Gasthaus?
Als Gastwirt muss man mit der Zeit gehen und auf die Bedürfnisse der Gäste, die sich immer wieder ändern, eingehen. Unser Haus war immer sehr offen und eine Anlaufstelle für Jung und Alt. Unsere Discoabende sind ebenso legendär wie unser „Rock im Hof“, die Stammtische oder die Sommerkonzerte. Nach wie vor werden bei uns Feiern aller Art gebucht. Aber natürlich wird es nicht einfacher, ein Gasthaus zu betreiben.
Was will die Jugend? Kommen junge Gäste?
Das ist ebenfalls ein viel diskutiertes Thema. Das Trinkverhalten der Jugend hat sich insofern verändert, als es jetzt unkontrolliert stattfindet. Früher hatte der Wirt da auch eine gewisse Verantwortung. Jetzt wird zu Hause „vorgeglüht“ und dann geht man ins Lokal. Da ist man als Gastwirt gefordert. Mein Rat an die Jugend: Handys weglegen, miteinander reden und Gespräche von Angesicht zu Angesicht führen.


