Vor einem Jahr leisteten die Feuerwehren in ganz Niederösterreich schier Unmenschliches. Tagelange Hochwasser- und Sturm-Einsätze in Stadt, Bezirk und anderen Teilen des Bundeslandes. Doch was ist nach einem Jahr von Gemeinschaft und Zusammenhalt geblieben? Feuerwehrkurat Pater Michael und ÖVP-Blaulicht-Stadtrat Franz Piribauer erinnern sich.
WIENER NEUSTADT/BEZIRK. Am 12. September jährt sich das Hochwasser von 2024 zum ersten Mal. Wir nehmen das zum Anlass, um in dieser Ausgabe zurück und nach vorne zu blicken. Darüber berichtet Welt Stimme.
Die Regenmassen fielen vom Himmel, der Sturm wütete und riss reihenweise Bäume um. Die Freiwilligen Feuerwehren aus Stadt und Bezirk befanden sich tagelang im Dauereinsatz.
Rückblick
Alleine in Pernitz wurde die Feuerwehr zu 30 Einsätzen alarmiert. Zu den Hauptaufgaben gehörten Auspumparbeiten und das Befüllen von Sandsäcken. Ebenso galt es, umgestürzte Bäume und Hindernisse von Straßen und Wegen zu beseitigen. Erschwerend kam hinzu, dass das Hochwasser die Straßen beinahe unzugänglich machte. Während der gesamten Einsätze war die Zusammenarbeit mit den umliegenden Feuerwehren und den zahlreichen freiwilligen Helfern von unschätzbarem Wert. Außerdem hat die Bevölkerung die Feuerwehrkräfte mit Essens-, Sach- und Geldspenden versorgt.
Die Freiwillige Feuerwehr Wiener Neustadt zog folgende Bilanz: 100 Einsatzkräfte bei über 200 Einsätzen und mehr als 1.400 Personalstunden. Mitglieder der FF Wr. Neustadt waren Teil von diversen Einsatzstäben und beteiligten sich auch am Katastropheneinsatz des Bezirks Wiener Neustadt im Bezirk Krems.
Zur Versorgung der Einsatzkräfte wurden in Wiener Neustadt knapp 400 Paar Würstel und etwa 300 Gebäckstücke ausgegeben. Selbst Feuerwehrkurat Pater Michael stand im Rahmen des Versorgungsdienstes im Einsatz, half bei der Verpflegung der Mannschaft und sprach das ein oder andere ermutigende Wort.
Unterstützt und gebetet
Pater Michael Weiss erinnert sich: „Als Feuerwehrkurat habe ich das mitbekommen und bin gleich hingefahren. Ich habe mitgeholfen und mit den Kameraden gesprochen.“ Er sehe es als selbstverständlich an, in solch schweren Zeiten einfach zusammenzustehen. Jeder Handgriff sei wichtig. „Man sollte sich immer fragen: Wo kann ich mithelfen. Denn: Wenn viele Menschen kleine Dinge tun, dann kann Großes daraus entstehen.“ Manchmal hieße das eben, einfach da zu sein und zu unterstützen, wo es möglich ist.
Auf die Frage, ob er sofort wieder seine Hilfe anbieten würde, meint Pater Michael: „Jederzeit. Meine Feuerwehrkameraden sind immer in meinen Gedanken. Wenn ich den Alarm höre, schicke ich einen Gedanken in den Himmel, damit niemandem etwas passiert.“ Er erinnert auch an die Gewitter vor ein paar Wochen: „Alles war draußen, kein einziges Auto stand in der Garage.“ Außerdem sei es wichtig sich einer Sache klar zu sein: „Die machen das alles freiwillig. Das sind keine Berufsfeuerwehrleute. Diese Menschen sind in ihrer Freizeit 24 Stunden, 365 Tage im Jahr für uns da, wenn der Hut brennt. Ihretwegen können wir alle ruhig schlafen.“
Sicherheitsinvestition
An die Unwetterkatastrophe vor einem Jahr erinnert sich Blaulicht-Stadtrat Franz Piribauer (ÖVP) noch sehr genau. „Unwetter fordern vor allem den Einsatz der Feuerwehr. Gott sei Dank, denn das heißt, dass keine Menschen zu Schaden gekommen sind.“ Um die Situation der Kameraden zu verstehen, „bin ich, so gut es mir möglich ist, vor Ort. Ich bewundere, was die Kameraden leisten. Ich bin dabei, um die Sache zu verstehen. Was wird gebraucht? Wo kann die Politik unterstützen.“
Es gehe nicht um Aufmerksamkeit für seine Person. Es liege in seiner politischen Verantwortung, dafür zu sorgen, „als Gesellschaft die besten Rahmenbedingungen zu schaffen.“ Dazu gehören Ausrüstung, aber auch die Budgetbeschlüsse im Gemeinderat. Denn: „Das ist eine Sicherheitsinvestition für die 50.000 Menschen, die in dieser Stadt leben. Die 150 Kameraden der Feuerwehr machen das freiwillig. Sie opfern ihre Freizeit, Gesundheit und rücken ihre Familien in den Hintergrund, um den Menschen zu helfen.“
Weniger Engagement
Franz Piribauer sieht aber auch die negativen Seiten: „Feuerwehreinsätze stoßen immer mehr auf Unverständnis. Es kommt immer öfter vor, dass die Kameraden bespuckt oder attackiert werden. Dass sie sich für ihren Einsatz und Anwesenheit entschuldigen müssen.“ Andererseits würden sich immer weniger geeignete Menschen bei der Feuerwehr engagieren. „Ich möchte auch einen Appell an alle richten, die die Möglichkeiten mitbringen, sich zu engagieren. Wenn das nicht passiert, kann es sein, dass niemand mehr kommt, wenn man die 122 wählt.“
Selbstverständlich mache die Stadt Werbung für den Feuerwehrdienst – etwa durch Aufkleber an den Bussen, in Magazinen oder durch Inserate. Doch auch der Ansatz bei der Jugend rückt wieder in den Fokus: „Die Feuerwehr Wiener Neustadt hat eine eigene Jugendgruppe – mit einem eigenen Programm und Personal, das schon früh an die Komplexität dieser Sicherheitseinrichtung heranführt.“
Zu den Gefahren, die die Feuerwehr abwehren muss, gehören: Brandeinsätze, Verkehrsunfälle, Bergungen, Tierrettung, Wasser-Einsätze (u.a. Überschwemmung) und Flugdienst.
„In Zukunft wird es noch wichtiger, die Freiwilligen mit allen Kräften zu unterstützen. Als Vertreter der Politik sehe ich es als unsere Aufgabe, dieses System der Freiwilligen Feuerwehr Organisationen für die Zukunft sicherzustellen.“
In einer immer weiter wachsenden Stadt würden auch die Bedrohungen wachsen. „Der nächste Einsatz kommt bestimmt. Jeder einzelne bringt emotionale Anspannung mit: Vor- und Nachbereitung, Risiko für die Gesundheit.“
1.400 Einsätze gab es für die Feuerwehr Wiener Neustadt im vergangenen Jahr. 150 Feuerwehrleute sind im aktiven Stand je nach Verfügbarkeit im Einsatz.
Hochwasser-Risiko im Überblick
Wiener Neustadt(Stadt): 171 Personen leben im Hochwasser-Risikogebiet
- 0,4 Prozent in Wiener Neustadt(Stadt) leben im Risikogebiet eines hundertjährlichen Hochwassers
- Stadt Rang 84 in ganz Österreich
Bezirk Wiener Neustadt(Land): 10.278 Personen leben im Hochwasser-Risikogebiet
- 12,7 Prozent im Risikogebiet eines hundertjährlichen Hochwassers
- Stadt Rang 15 in ganz Österreich
- Am meisten betroffene Gemeinde: Pernitz (61,7 Prozent/1.557 Einwohner)
- Am wenigsten betroffene Gemeinde: Zillingdorf (0 Prozent/unter 5 Einwohner)


