Rangnick kritisiert Freizeitgestaltung der ÖFB-Kicker nach WM
WIEN. Ralf Rangnick, der Teamchef des österreichischen Fußballnationalteams, hat nach dem Ausscheiden im Sechzehntelfinale der Weltmeisterschaft ein selbstkritisches Fazit gezogen. Er erklärte, dass die Spieler möglicherweise zu viele Freiheiten genossen hätten, um Golf zu spielen oder Ausflüge zu unternehmen. „Bei der EM und schon in den nächsten Lehrgängen werden wir das auf ein anderes Maß reduzieren“, so Rangnick. Darüber berichtet Welt Stimme.
Nach 2,5 Monaten und dem Ausscheiden aus dem Turnier gestand Rangnick, dass die Rahmenbedingungen in Santa Barbara sowohl positiv als auch negativ waren. Trotz optimaler Trainingsumstände wurden die Spieler möglicherweise „zu sehr verwöhnt“ mit freien Tagen. Rangnick gab zu, dass dies eine Fehlentscheidung war: „Wir dachten, dass es für die Jungs energetisch und mental nicht verkehrt ist, wenn sie rauskommen und ihre Familien treffen.“ Nun wurde diese Praxis jedoch in Frage gestellt.
Darüber hinaus kritisierte Rangnick die mangelnde Trainingseinheiten, in denen es „scheppert“. Um den gewünschten Spielstil wieder auf das Feld zu bringen, fordert Rangnick ein intensiveres Training: „Wenn wir unseren Fußball wieder auf den Platz bringen wollen, muss es im Training scheppern, da müssen wir all-in gehen.“
Team-Hotel möglicherweise suboptimal
Rangnick äußerte zudem Bedenken hinsichtlich des Team-Hotels, das sich direkt am Pazifik befand. Er verglich es mit der Unterkunft in Berlin für die EURO 2024, die er als förderlich für Teambuilding bezeichnete. „In Santa Barbara waren wir auf kleine Häuschen verteilt, da waren wir ein bisschen verstreut“, sagte Rangnick und vermutete, dass mehr gemeinsame Aktivitäten hilfreich gewesen wären.
In seiner Analyse kritisierte er die physischen Leistungen des Teams. Rangnick verwies darauf, dass Österreich bei der WM in allen relevanten Parametern zwischen dem 25. und 35. Platz lag, während das Team bei der EURO 2024 unter den Top drei war. Ein unzureichender Fitnesszustand der Spieler führte ebenfalls zu einem enttäuschenden Abschneiden: „Wir waren bei der EURO in allen für unsere Spielweise relevanten Parametern unter den Top drei, bei der WM zwischen 25 und 35.“ Rangnick hebt hervor, dass zu viele Spieler nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren, was die Gesamtleistung erheblich beeinträchtigte.
Obwohl er die negativen Aspekte betonte, hob Rangnick auch die positiven Erlebnisse hervor, wie die Teilnahme an der WM und den ersten Sieg seit 36 Jahren. Dennoch betonte er, dass die Mannschaft gegen stärkere Gegner wie die Schweiz oder Deutschland durchaus Chancen gehabt hätte, wenn die Voraussetzungen besser gewesen wären.
Der Teamchef merkt an, dass die WM eine einzigartige Erfahrung war, auch wenn es sportlich nicht optimal lief. „Allein für diese Erfahrungen war es wert, dabei gewesen zu sein,“ resümierte Rangnick.
Finanziell hat sich die WM für den Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) ebenfalls gelohnt. Es wird ein Bruttoertrag von 11,5 Millionen Euro erwartet, von dem knapp zwei Millionen an die Bundesliga und die Landesverbände ausgeschüttet werden. Der verbleibende Betrag wird sich für den ÖFB auf einen niedrigen siebenstelligen Betrag belaufen.

