Toilettenkabine als telemedizinische Versorgungsstation erfolgreich auf Festival getestet

August 4, 2025 17:15
Toilettenkabine als telemedizinische Versorgungsstation erfolgreich auf Festival getestet

Telemedizinische Toilettenkabine beim Parookaville-Festival erfolgreich getestet

Eine umgebaute Toilettenkabine sorgte für telemedizinische Versorgung von Festivalbesuchern und könnte künftig in Krisengebieten eingesetzt werden.

Während des Parookaville-Festivals in Weeze wurde eine modifizierte Toilettenkabine, ausgestattet mit hochmoderner Medizintechnik, als telemedizinische Versorgungsstation eingesetzt. Diese mobile Einheit wurde erfolgreich unter realen Bedingungen getestet und stammt aus einem Projekt der Uniklinik RWTH Aachen, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird.

Über 100 Besucher des Festivals erhielten medizinische Betreuung durch die mit Kamera, EKG, digitalem Stethoskop und Fieberthermometer ausgestattete Kabine – ganz ohne ärztliches Personal vor Ort. Stattdessen führten Ärzte die Untersuchungen via Video durch, wobei die Patientendaten in Echtzeit übertragen und ausgewertet wurden. Im Bedarfsfall konnten sogar Rezepte ausgestellt werden.

Ziel des Kabine-Projekts ist die Verwendung der telemedizinischen Station in Krisensituationen und Katastrophengebieten, insbesondere nach Naturkatastrophen, wenn die medizinische Infrastruktur fehlt. Die Kabine ist modular, energieautark durch Solarstrom und Satellitenanbindung und kann innerhalb von 24 bis 48 Stunden mobil eingesetzt werden. „Dank standardisierter Schnittstellen und intuitiver Bedienung können auch ungeschulte Helfer sie in Betrieb nehmen und Patienten versorgen – mit ärztlicher Unterstützung aus der Ferne“, sagt eine Sprecherin des Projekts. Die Ergebnisse des Feldtests fließen in die Weiterentwicklung der Technologie und in neue Pilotprojekte ein.

„Wir konnten zeigen, dass unsere Lösung auch bei Hitze, Stress und hoher Auslastung zuverlässig funktioniert“, erläutert Studienleiterin Anna Müller vom AcuteCare InnovationHub der Uniklinik Aachen. Die Patientenzufriedenheit war hoch, technische Ausfälle traten kaum auf. Zukünftig soll die Kabine auch mit einem Hubschrauber in Krisengebiete transportiert werden. Der Transport von Medikamenten könnte dann über Drohnen erfolgen.

Bereits im vergangenen Jahr wurde beim Münchner Oktoberfest ein Telenotarzt getestet. Dort setzte derselbe Sanitätsdienst für Untersuchungen ein mobiles CT ein – Patienten mit Auffälligkeiten wurden in umliegende Kliniken verlegt.

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