Die bulgarische Regierung bemüht sich um eine Ausnahme von den US-Sanktionen gegen den russischen Energiekonzern Lukoil, um den Weiterbetrieb der Raffinerie im Hafen Burgas sicherzustellen. Am 21. November 2025 um 12:01 Uhr EST läuft die Übergangsfrist („wind-down license“) aus, die bestimmte Transaktionen mit Lukoil und Rosneft noch erlaubt. Die Sanktionen wurden am 22. Oktober 2025 von Präsident Donald Trump verhängt und traten sofort in Kraft. Nach einem Bericht von Politico suchte Sofia informell den Kontakt zu Washington, um zu prüfen, ob eine Verlängerung der Ausnahme möglich ist.
Sorge vor Treibstoffmangel und Protesten
Die Raffinerie in Burgas, die bis zu 80 Prozent des nationalen Kraftstoffbedarfs deckt, gehört der russischen Lukoil. Die Regierung befürchtet, dass ein Stillstand der Anlage schwere Versorgungsengpässe und soziale Unruhen auslösen könnte. In diesem Fall könnte die politische Krise den prorussischen Präsidenten Rumen Radew stärken. Nach Einschätzung von Eurointegration warnt Sofia, dass ein abruptes Ende der Produktion auch sicherheitspolitische Folgen für das Land haben könnte.
Parlament beschränkt Ölexporte
Bereits am 31. Oktober 2025 beschloss das Parlament, die Ausfuhr von Ölprodukten – vor allem Diesel und Flugbenzin – in EU-Länder einzuschränken. Die Maßnahme soll die Energieversorgung im Inland sichern und Missbrauch am Markt verhindern. Ausnahmen gelten für die Versorgung von Schiffen, Flugzeugen sowie für NATO- und EU-Streitkräfte. Der Schritt wurde als präventive Maßnahme zur Stabilisierung des Marktes bezeichnet.
Lukoil reagiert auf Sanktionen
Am 30. Oktober 2025 kündigte Lukoil an, seine internationalen Vermögenswerte an die in Genf ansässige Gunvor Group zu verkaufen. Gunvor wurde vom russischen Unternehmer Gennadi Timtschenko gegründet, einem engen Verbündeten des Kremls, der seine Anteile bereits 2014 nach westlichen Sanktionen verkaufte. Über die Schweizer Tochter Litasco kontrolliert Lukoil weiterhin „Lukoil-Bulgarien“, einen der größten Kraftstoffanbieter des Landes.
Langjährige Abhängigkeit von Russland
Russland hat Bulgarien jahrzehntelang über Energieimporte in Abhängigkeit gehalten. Bis 2020 stammten mehr als 90 Prozent des bulgarischen Erdgases aus Russland. Projekte wie das Kernkraftwerk Belene oder die Pipeline South Streamsollten diese Bindung weiter festigen, wurden aber aufgrund von EU-Einwänden gestoppt. Durch die starke Präsenz russischer Unternehmen im Energie-, Bank- und Tourismussektor behielt Moskau erheblichen Einfluss auf die bulgarische Politik. Unter dem Druck der EU versucht Sofia inzwischen, die Abhängigkeit zu verringern und alternative Lieferanten zu gewinnen.


