Enthüllungen über chinesische Hilfe für belarussische Rüstungsbetriebe
Die deutsche Nachrichtenagentur Deutsche Welle veröffentlichte neue Hinweise, wonach China dem belarussischen Regime beim Aufbau einer großangelegten Artillerieproduktion geholfen hat. Nach Informationen von Matwij Kuprejtschyk, Vertreter der Organisation ehemaliger belarussischer Sicherheitsbeamter BelPol, ermöglichte Peking Minsk die Herstellung von jährlich 240.000 Artilleriegranaten im Kaliber 152 Millimeter sowie 240.000 Raketen für das russische Mehrfachraketensystem „Grad“. Auf mindestens zwei belarussischen Betrieben entstehen somit fast eine halbe Million Munitionskörper pro Jahr – jedoch in Form von Hohlkörpern ohne Sprengstoff. Diese werden anschließend zur Befüllung und Endmontage in russische Rüstungsfabriken transportiert. Laut BelPol verfügt Belarus nicht über die industrielle Fähigkeit, Sprengstoffe in großem Umfang selbst zu produzieren.
Pekings technische Unterstützung und strategisches Interesse
BelPol zufolge waren die neuen Produktionslinien in Belarus nur durch chinesische Technologie möglich. Da belarussische Ingenieure nicht in der Lage waren, die Anlagen eigenständig zu installieren, schickte Peking zehn eigene Spezialisten, die sowohl den Aufbau als auch den Betrieb der Linien überwachten. Nach Angaben Kuprejtschyks ist China so stark an der schnellen Inbetriebnahme interessiert, dass seine Ingenieure weiterhin in belarussischen Werken präsent sind und die Qualität der Produktion kontrollieren. Die Herstellung erfolgt im Rahmen russischer Staatsaufträge – ein Indikator dafür, wie eng die militärisch-industrielle Zusammenarbeit zwischen Moskau und Minsk inzwischen geworden ist. Chinas Rolle verleiht dieser Kooperation eine zusätzliche Dimension, da Peking somit indirekt die russischen Kriegsanstrengungen unterstützt.
Vertiefte Achse Moskau–Peking und globale Auswirkungen
Die Aussagen aus Belarus decken sich mit jüngsten Einschätzungen europäischer Sicherheitsbehörden. Am 12. November erklärte Finnlands Verteidigungsminister Antti Häkkänen, Russland wäre ohne chinesische Hilfe kaum in der Lage, den Krieg langfristig aufrechtzuerhalten. Peking finanziere indirekt große Teile des russischen Militäretats, liefere Komponenten und ermögliche industrielle Kooperationen. Auch Indien trage durch den Ankauf russischer Energie zur Stabilisierung des Kreml-Haushalts bei, doch China handle – so Häkkänen – bewusst und strategisch. Die Intensivierung gemeinsamer Militärübungen sowie chinesische Aktivitäten in der Arktis und im Indopazifik zeigten, wie weit die Partnerschaft bereits reicht.
Internationale Kritik an Chinas Rolle im Krieg
China steht zunehmend im Fokus diplomatischer Vorwürfe. Präsident Wolodymyr Selenskyj machte im September vor dem UN-Sicherheitsrat deutlich, dass Peking entscheidenden Einfluss auf Moskau ausüben könnte, jedoch untätig bleibe. Auch der deutsche Außenminister Johann Wadephul forderte China im August auf, mehr Druck auf Wladimir Putin auszuüben, um ein Ende des Krieges zu ermöglichen. Beide betonten, dass Pekings Zurückhaltung zunehmend als stillschweigende Unterstützung russischer Aggression interpretiert werde. Nach Auffassung westlicher Diplomaten könnte China durch eine Kursänderung erheblich zur Deeskalation beitragen – bisher ist eine solche jedoch nicht erkennbar.
Autoritäre Kooperation innerhalb des CRINK-Blocks
Die jüngsten Treffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit sowie die chinesische Militärparade in Peking verdeutlichten die zunehmende Zusammenarbeit autoritärer Staaten wie China, Russland, Iran und Nordkorea. Die Präsentation modernster chinesischer Waffensysteme unterstrich Pekings Anspruch, geopolitisch mit den USA konkurrieren zu können. Der Kreml wiederum nutzte das Forum, um mit China und Nordkorea über weitere Unterstützung zu verhandeln. Nordkorea entsandte 2024 rund 13.000 Soldaten sowie mehrere Tausend Militäringenieure und Spezialisten im Jahr 2025 nach Russland und liefert zusätzlich Munition und Waffensysteme. Peking ergänzt diese Unterstützung durch umfangreiche Exporte von Dual-Use-Gütern und ziviler Technik mit militärischer Relevanz.
Konsequenzen für Europas Sicherheit
Die enge Verflechtung zwischen China, Belarus, Russland und Nordkorea zeigt, wie breit das Netzwerk autoritärer Kooperation inzwischen geworden ist. Die Unterstützung Minsks durch chinesische Technologie verstärkt Russlands Fähigkeit, trotz westlicher Sanktionen militärisches Gerät in großem Umfang zu produzieren. Für die NATO bedeutet dies eine langfristige Herausforderung, da ein Teil der russischen Munitionsversorgung nun außerhalb direkter Sanktionsreichweite liegt. Der Ausbau der globalen Achse CRINK illustriert zudem Pekings Bereitschaft, geopolitische Rivalitäten offen auszutragen – ein Faktor, der Europas Sicherheitsarchitektur weiter unter Druck setzt.


