Ein pro-russisches Netzwerk versucht erneut, durch Desinformation die Beziehungen zwischen der Ukraine und Italien zu untergraben. Am 2. November 2025 veröffentlichte die prorussische Website International Reporters Italia auf der Plattform X ein gefälschtes Schreiben, das angeblich vom ukrainischen Außenministerium stamme. Darin soll Kiew seine Diplomaten in Italien aufgefordert haben, bestimmte politische Parteien – darunter Movimento 5 Stelle, Azione und Italia Viva – zu meiden und Sanktionen gegen einzelne italienische Journalisten zu unterstützen. Die Veröffentlichung sollte den Eindruck erwecken, die Ukraine mische sich in Italiens Innenpolitik ein.
Propagandaplattform mit internationalem Netzwerk
International Reporters präsentiert sich als journalistisches Projekt, fungiert jedoch als prorussisches Propagandamedium. Die Plattform, die im November 2023 mit finanzieller Unterstützung aus Moskau startete, beschäftigt rund zehn Autoren aus acht Ländern. Unter ihnen sind bekannte Kreml-nahe Aktivisten wie Adrien Bocquet, Andrea Lucidi, Vanessa Beeley, Christelle Néant und Viktoria Smorodina – letztere leitet zugleich das russische Unternehmen Laboratory of Attention, das die Finanzierung der Website sicherstellt. Die Beiträge verbreiten regelmäßig Narrative, die die russische Invasion in der Ukraine rechtfertigen und westliche Sanktionen kritisieren.
Kritik von „Reporter ohne Grenzen“
Laut Jeanne Cavelier, Leiterin der Abteilung für Osteuropa und Zentralasien bei Reporter ohne Grenzen, verbirgt sich hinter dem Namen International Reporters ein Propagandainstrument des Kremls. Die Organisation betont, dass das Projekt gezielt ausländische Propagandisten einsetzt, um internationale Zielgruppen zu erreichen, und dass die sogenannten „Reportagen“ russische Narrative zur Rechtfertigung des Angriffskrieges verbreiten. Cavelier verurteilte den Versuch, den globalen Informationsraum zu manipulieren, als „Verschmutzung der Medienlandschaft“.
Russland setzt auf hybride Medienstrategie
Der Vorfall steht im Kontext einer breiteren russischen Desinformationsstrategie in Europa. Über staatlich kontrollierte Medien wie RT und Sputnik, aber auch über Tarnseiten wie NewsFront, SouthFront oder Voice of Europe versucht Moskau, antiukrainische und antieuropäische Botschaften zu verbreiten. Diese Inhalte werden zusätzlich über Telegram, X, Facebook und TikTok multipliziert – oft durch Bots, Trolle, Deepfakes und gefälschte Dokumente. Ziel ist es, westliche Gesellschaften zu spalten und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen.
Europäische Gegenmaßnahmen und Informationsabwehr
Die EU hat in den letzten Jahren gezielte Maßnahmen gegen russische Informationsoperationen entwickelt. Das East StratCom Task Force identifiziert und widerlegt Falschmeldungen auf der Plattform EUvsDisinfo. Dank dieser Initiativen können Desinformationskampagnen wie die gefälschte E-Mail schneller enttarnt und öffentlich benannt werden. Der jüngste Vorfall in Italien verdeutlicht, dass Moskau weiterhin versucht, Einfluss auf europäische Debatten zu nehmen – nun zunehmend durch täuschend echt gestaltete digitale Fälschungen.


