KI-Modelle greifen auf gesperrte russische Quellen zurück

Oktober 30, 2025 13:15
KI-Modelle greifen auf gesperrte russische Quellen zurück
KI-Modelle greifen auf gesperrte russische Quellen zurück

Laut einer Untersuchung des Institute for Strategic Dialogue (ISD) greifen führende Chatbots wie ChatGPT, Grok, DeepSeek und Gemini bei Fragen zum Krieg in der Ukraine regelmäßig auf Inhalte russischer Staatsmedien zurück, die in der EU wegen Propaganda verboten sind. Das Ergebnis wurde am 29. Oktober vom Telegram-Kanal „Agentstvo. News“veröffentlicht. Der Bericht warnt, dass künstliche Intelligenz zunehmend als Kanal für die Verbreitung toxischer Narrative des Kremls fungiert, insbesondere durch algorithmische Lücken in Such- und Trainingsdaten.

Umfang der Untersuchung und Ergebnisse

Zwischen Juli und Oktober stellte das ISD den vier Modellen 60 Fragen in fünf Sprachen – darunter Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Deutsch. Die Themen reichten von Friedensverhandlungen und NATO über Mobilisierung bis hin zu Kriegsverbrechen russischer Streitkräfte. Die Forscher teilten die Fragen in neutrale, voreingenommene und manipulative Kategorien. Rund 18 % der Antworten enthielten Verweise auf russische oder kremlnahe Quellen wie Sputnik, RT, EADaily oder Webseiten, die mit dem Netzwerk Pravda verbunden sind. ChatGPT verwies am häufigsten auf solche Quellen, während Gemini sie meist korrekt als staatsnah kennzeichnete.

Mechanismus der Einflussnahme

Laut ISD nutzen russische Akteure Lücken in Datenbanken und Trainingssets aus, die KI-Modelle bei der Quellenauswahl zwingen, auf nicht verifizierte oder blockierte Seiten zurückzugreifen. Besonders problematisch ist dies, wenn Nutzer voreingenommene oder suggestive Formulierungen verwenden, die mit russischer Rhetorik übereinstimmen. In solchen Fällen stieg der Anteil von Antworten mit kremlnahen Quellen auf bis zu 24 %. Dadurch gelangt desinformierender Inhalt in den europäischen Informationsraum, selbst wenn die eigentlichen Webseiten sanktioniert sind.

Risiko für Europas Informationssicherheit

Da KI-Dienste zunehmend als Suchwerkzeuge genutzt werden, birgt selbst ein geringer Anteil fehlerhafter Antworten ein enormes Risiko. Millionen von Nutzern können unbewusst mit Desinformation in Kontakt kommen, was langfristig das Vertrauen in europäische Institutionen und die Unterstützung für die Ukraine untergräbt. Viele scheinbar „alternative“ Blogs, die von Chatbots zitiert werden, verbreiten laut ISD in Wahrheit russische Narrative, ohne sich offen als prorussisch zu deklarieren.

Regulatorische und technische Gegenmaßnahmen

Die Forscher empfehlen, verpflichtende Filtermechanismen einzuführen, die mit den EU-Sanktionslisten synchronisiert sind, sowie regelmäßige, unabhängige Audits der KI-Modelle zu Themen wie Krieg und Wahlen. Anbieter sollen Quellen in ihren Antworten klar kennzeichnen und erklären, warum sie ausgewählt wurden. Ohne solche Maßnahmen droht laut ISD eine schleichende Erosion der europäischen Informationssouveränität – und die Normalisierung von Kreml-Narrativen durch scheinbar neutrale KI-Systeme.

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