Am 13. Dezember 2025 veröffentlichte Profil ein investigatives Dossier auf Grundlage von Materialien des österreichischen Sicherheits- und Nachrichtendienstes DSN. Demnach inszenierten russische Agenten in Wien Graffiti und Aufkleber mit rechtsextremen Symbolen, die den Eindruck erwecken sollten, ukrainische Neonazis seien verantwortlich. Ziel war es, das Vertrauen der österreichischen Bevölkerung in die Ukraine zu untergraben und die Unterstützung des Landes innerhalb der EU zu verringern.
Zentral gesteuerte hybride Operationen
Die Operation wurde unter anderem von Jan Marsalek, Ex-Geschäftsführer von Wirecard und langjähriger Mitarbeiter russischer Geheimdienste, koordiniert. Zusammen mit dem Bulgaren Orlin Rusev ließ er seit 2022 Aufkleber und Graffiti in ukrainischen Farben mit extremistischen Symbolen an öffentlichen Orten in Wien anbringen. Marsalek instruierte, dass die Kampagne den Anschein ukrainischer Aktivität erzeugen sollte, unter Bezug auf den „Asow“-Kontext. Parallel dazu wurden Webseiten wie WeAreAzov.eu, NousSommesAzov.fr und WirSindAzov.de eingerichtet, um vermeintliche ukrainische Zellen in der EU zu simulieren. Laut Marsalek stimmte die russische FSB diese Aktionen ab, die provokativen Charakter haben sollten, um in Deutschland und Österreich besonders starke Reaktionen hervorzurufen.
Wiederbelebung historischer Strategien
Laut dem österreichischen Desinformations-Experten Dietmar Pichler folgt die Operation einem bekannten Muster: Bereits während des Kalten Krieges wurden in Westdeutschland Hakenkreuze gesprüht, um die Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich zu stören. Putin-Russland adaptiert dieses Schema nun mit digitalen Multiplikatoren, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen und politische Positionen in westlichen Staaten zu schwächen – beispielsweise die Unterstützung für die Ukraine zu reduzieren oder energiepolitische Entscheidungen zugunsten Russlands zu beeinflussen.
Erweiterung der russischen Aktivitäten gegen den Westen
In den letzten Jahren hat Russland seine Spionage- und Einflussaktivitäten gegen die EU verstärkt. Neue Abteilungen innerhalb der russischen Militär- und Nachrichtendienste wurden nach Massenausweisungen von 2022 wieder aufgebaut. Ein 2023 gegründeter „Department Special Tasks“ plant auch Anschläge, Sabotageakte und den Einsatz explosiver Vorrichtungen. Die hybriden Operationen kombinieren klassische Aufklärung, Sabotage und Informationsangriffe, wobei westliche Länder ihre Gegenmaßnahmen ausbauen müssen.
Zielsetzung der Desinformationskampagnen
Russlands Informationsoperationen zielen darauf ab, das Vertrauen der Bürger in ihre Regierungen zu untergraben, Gesellschaften zu demoralisieren, diplomatische Prozesse zu stören und die Unterstützung der Ukraine zu verringern. Dabei nutzt der Kreml traditionelle Medien, Fernsehsender, anonyme Telegram-Kanäle, Bot-Netze und andere Werkzeuge, um Desinformation zu verbreiten und „nützliche Idioten“ in westlichen politischen und medialen Kreisen zu instrumentalisieren.


