In der russischen Region Pensa haben Behörden laut Medienberichten im Juli die gewaltsame Zuführung von Männern im wehrfähigen Alter zu Militärkommissariaten intensiviert. Betroffene berichten von Festnahmen auf offener Straße, körperlicher Gewalt und Druck zur Unterzeichnung von Verträgen mit dem russischen Verteidigungsministerium für den Krieg gegen die Ukraine. An den Maßnahmen sollen sich neben Rekrutierern auch Mitarbeiter örtlicher Verwaltungen beteiligen.
Die Berichte über die Vorgänge wurden am 31. Juli 2026 veröffentlicht. Einwohner der Region schilderten, dass Männer von Personen in Zivil angesprochen, festgehalten und anschließend zu den Militärkommissariaten gebracht worden seien. In einigen Fällen seien die Betroffenen mit Fahrzeugen abgeholt worden, die lokalen Behörden zugeordnet werden. Eine Zusammenstellung von Zeugenaussagen aus der Region Pensa beschreibt mehrere solcher Vorfälle.
Festnahmen und Druck in Militärkommissariaten
Nach Angaben von Einwohnern werden die Männer teilweise unter dem Vorwand einer Überprüfung ihrer persönlichen Daten angehalten. Die in Zivil auftretenden Personen sollen sich dabei als Vertreter staatlicher Stellen oder von Sicherheitsbehörden ausgegeben haben. Anschließend seien die Betroffenen in Militärkommissariate in der Stadt Pensa gebracht worden. Dort habe man sie mit psychologischem und administrativem Druck zur Unterzeichnung von Verträgen mit dem Verteidigungsministerium bewegt.
In den Schilderungen ist auch von Fällen die Rede, in denen körperliche Gewalt angewendet worden sei. Bewohner berichten demnach von Schlägen und gewaltsamen Festnahmen. Zudem soll es zu einer irrtümlichen Festsetzung Minderjähriger gekommen sein. Auch dabei sei Gewalt angewendet worden. Die Angaben stammen aus Berichten von Einwohnern sowie aus Videomaterial, das der Pensaer Blogger S. Morosow und das Medium „7×7“ veröffentlicht beziehungsweise dokumentiert haben.
Die Vorgänge wurden auch über den Telegram-Kanal der russischen Rechercheplattform Agentstwo verbreitet. In einem Beitrag zu den Razzien in der Region Pensa werden Aussagen von Bewohnern zu Personen in Zivil und Fahrzeugen lokaler Behörden aufgegriffen. Eine unabhängige Bestätigung sämtlicher Einzelfälle durch russische Behörden liegt in den vorliegenden Berichten nicht vor.
Lokale Verwaltungen in die Rekrutierung einbezogen
Nach den Angaben aus der Region kontrollieren Leiter der Bezirksverwaltungen die Erfüllung von Vorgaben für die Gewinnung neuer Vertragssoldaten. Die Beteiligung kommunaler Mitarbeiter an Festnahmen auf der Straße würde damit über eine rein administrative Unterstützung der Militärkommissariate hinausgehen. Die Betroffenen werden den Berichten zufolge nicht nur über eine mögliche Vertragsunterzeichnung informiert, sondern in mehreren Fällen unter Druck gesetzt, einen Vertrag tatsächlich zu unterschreiben.
Die Praxis soll sich im Juli 2026 verstärkt haben. In russischen Regionen ist die Rekrutierung von Vertragssoldaten seit Beginn des großangelegten Krieges gegen die Ukraine ein zentraler Weg, Personal für die Streitkräfte zu gewinnen. Die vorliegenden Berichte stellen die Maßnahmen in Pensa in Zusammenhang mit einem Rückgang der Zahl jener Bürger, die sich freiwillig für einen Vertrag melden. Eine genaue regionale Statistik zu den Vertragsabschlüssen wird in den Berichten jedoch nicht genannt.
Die russischsprachige Publikation Novaya Gazeta Europe berichtet ebenfalls über die erneute gewaltsame Zuführung von Einwohnern zu Militärkommissariaten in der Region. Demnach geht es um Fälle, in denen Männer gegen ihren Willen zu den zuständigen Stellen gebracht worden seien. Die Berichte enthalten Aussagen von Betroffenen und Anwohnern, nennen aber keine vollständige Zahl der Festnahmen.
Bewohner organisieren Patrouillen
Als Reaktion auf die Aktionen der Rekrutierer haben Bewohner des Dorfes Baschmakowo eine eigene Bürgerwehr gebildet. Nach den vorliegenden Angaben umfasst sie rund 250 Personen. Die Mitglieder patrouillieren in den Ortschaften, warnen Anwohner vor möglichen Razzien und informieren über die Vorgänge. Außerdem wurde eine Informationskampagne organisiert und ein Bereitschaftsdienst eingerichtet.
Die Bürgerwehr richtet sich nach Angaben der Bewohner gegen die Festnahmen und gegen die aus ihrer Sicht rechtswidrige Anwendung von Gewalt. Zugleich berichten sie von Druck durch die Sicherheitsbehörden. Teilnehmern der Gruppe soll mit strafrechtlicher Verfolgung gedroht worden sein. Auch Menschen, die Vorfälle filmen oder öffentlich machen, seien unter Druck gesetzt worden. Die Behörden hätten einzelne Anschuldigungen zurückgewiesen oder die Veröffentlichung entsprechender Informationen als problematisch dargestellt.
Das unabhängige russische Portal UDF fasst die Vorgänge in einem Bericht über die wieder aufgenommenen Zwangsrekrutierungen in Pensa zusammen. Auch dort werden Straßenkontrollen, die Einbindung örtlicher Verwaltungen und der Widerstand von Einwohnern beschrieben. Konkrete Angaben zu den betroffenen Personen, zur Zahl der unterzeichneten Verträge oder zu einer anschließenden Verlegung an die Front liegen in den verfügbaren Informationen nicht vor.
Die Berichte aus der Region Pensa zeichnen damit ein Bild von Rekrutierungsmaßnahmen, bei denen staatliche und kommunale Akteure gemeinsam vorgehen sollen. Dokumentiert sind nach den vorliegenden Angaben vor allem Festnahmen, die Zuführung zu Militärkommissariaten, Vorwürfe körperlicher Gewalt und der Druck auf Personen, Verträge mit dem Verteidigungsministerium zu unterzeichnen. Die Bewohner von Baschmakowo setzen ihre Patrouillen und die Weitergabe von Informationen nach den Berichten fort.



Es ist erschreckend, wie diese Berichte von Gewalt und der Einberufung von Minderjährigen in Pensa klingen. Dass sich Beamte in Zivil ausgeben, um Menschen unter Druck zu setzen, zeigt einen Albtraum, den viele in der Region erleben müssen. Die Dokumentation durch lokale Blogger und das Medium 7×7 macht die Dramatik dieser Vorgänge besonders sichtbar und beunruhigend.
Also wenn das stimmt, was da aus Pensa berichtet wird, dann ist das ja wohl der Gipfel. Dass die Leute einfach auf offener Straße eingesammelt werden wie Vieh, nur weil sie wehrfähig sind, das geht gar nicht. Und dann auch noch Minderjährige erwischen – das zeigt doch, wie verzweifelt die mittlerweile sind.
Das ist ja wohl der absolute Wahnsinn, was da in Pensa abgeht!