Autonome Traktoren aus Steyr: AVL und ARTI bringen modulare Lösung für Fahrerlosigkeit auf den Markt

Oktober 15, 2025 18:12
Autonome Traktoren aus Steyr: AVL und ARTI bringen modulare Lösung für Fahrerlosigkeit auf den Markt

Das Technologieunternehmen AVL und das Start-up ARTI haben ein modulare System entwickelt, das Traktoren autonom macht. Neu- und Bestandsmaschinen können ohne umfangreiche Umbauten mit autonomen Fahrfunktionen ausgestattet werden. Pilotprojekte in Steyr sind bereits angelaufen, während der Markteintritt intensiv vorbereitet wird. Darüber berichtet Welt Stimme.

GRAZ/STEYR. Ein Traktor verlässt selbstständig die Werkshalle, biegt ab und nimmt ohne Fahrer die Arbeit auf dem Feld auf – gesteuert von intelligenter Software. Dies, was wie eine Vision der Zukunft aussieht, ist bei AVL in Steyr bereits Realität. Das Unternehmen, mit Hauptsitz in Graz, hat ein System entwickelt, das landwirtschaftliche Maschinen autonom macht. „Wir wollen eine Lösung bieten, die sich rasch integrieren lässt, sicher ist und für reale Anwendungen geeignet ist – vom Weinbau bis zur Obsternte“, erklärt Sandro Perla-Steinhuber, Software-Funktionsentwickler bei AVL. Ein zentraler Vorteil dieses Systems ist die Kompatibilität mit verschiedener Hardware und die Flexibilität, sich in neue sowie bestehende Maschinen einfügen zu lassen. Lenkung, Bremse, Sensorik, Steuergerät, Bedienoberfläche und Satellitenkommunikation werden so integriert, dass sie in unterschiedliche Traktortypen passen. Das System ist als Add-on konzipiert: Die Autonomie ist bei Bedarf aktivierbar, wobei der Traktor weiterhin manuell steuerbar bleibt.

Technische Zusammenarbeit mit ARTI

Die technische Orientierung für das Projekt kommt vom Start-up ARTI, das sich auf KI-Robotik spezialisiert hat. AVL wurde durch das hauseigene Start-up-Programm Creator’s Expedition auf ARTI aufmerksam. „Unser Ziel ist es, technologiegetriebene Jungunternehmen mit hoher Umsetzungskraft frühzeitig ins Netzwerk von AVL zu holen – idealerweise ergibt sich daraus eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe“, sagt AVL-Projektmanager Kevin Grebien. Der Kontakt habe sich schnell konkretisiert, und heute liefern die Gössendorfer wesentliche Technologiebausteine für die autonome Navigation. „Wir steuern – vereinfacht gesagt – eine Software bei, die mithilfe verschiedener Sensoren erkennt, wo sich der Traktor befindet und wohin er fahren soll, auch wenn das GPS ausfällt“, erklärt ARTI-Geschäftsführer Konstantin Mautner-Lassnig und fügt hinzu: „Unsere Lösung funktioniert auch ohne Satellitensignal und lässt sich in verschiedene Fahrzeuge integrieren.“

Sicherheitsaspekte im Offroad-Bereich

Sicherheit steht generell im Mittelpunkt des Projekts, vor allem im Offroad-Bereich, wo andere Bedingungen vorherrschen. Mautner-Lassnig betont: „Traktoren bewegen sich zwar langsam, können aber durch ihr hohes Gewicht größere Schäden verursachen als Autos. Deshalb wurde das gesamte Sicherheitssystem von Grund auf neu konzipiert – inklusive Risikoanalyse und Validierung.“ AVL bringt umfassende Erfahrung aus der Automobilindustrie in diese Entwicklung ein. „Im Offroad-Bereich gelten spezielle Vorschriften. Robuste Systeme und klare Prozesse sind unerlässlich“, hebt Perla-Steinhuber hervor.

Marktstart für 2026 vorgesehen

Nach erfolgreichen Tests auf einer 4.000 Quadratmeter großen Testfläche von AVL in Steyr sind die Prototypen bereits unter realen Bedingungen auf Feldern unterwegs. Der elektrisch betriebene Traktor arbeitet mittlerweile vollautonom mit Anbaugeräten wie Pflügen und Mähwerken. „Es geht nicht nur um simples Fahren von A nach B, sondern um komplexe Szenarien mit wechselnden Umgebungen, niedrigen Geschwindigkeiten und der Interaktion mit Menschen“, so Perla-Steinhuber. Der Marktstart für die Lösung ist für 2026 geplant, zielt auf verschiedene Traktortypen und richtet sich sowohl an Hersteller als auch an bestehende Kunden, die ihre Maschinen umrüsten möchten.

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