Am 10. Februar 2026 fand beim Landtechnikhersteller Pöttinger in Grieskirchen eine Veranstaltung zum Thema „Landwirtschaft und Ernährungssicherheit“ statt, die Teil der Reihe „Raus aus der Nebelzone – Wissenschaft bringt Orientierung“ ist. Experten der Universität für Bodenkultur Wien und der FH Oberösterreich präsentierten ihre Erkenntnisse. Darüber berichtet Welt Stimme.
Diese Veranstaltungsreihe soll aufzeigen, wie Wissenschaft und Forschung das Leben der Menschen beeinflussen können. In insgesamt neun Abendveranstaltungen über drei Jahre hinweg tauschen sich Fachleute aus, wobei der Dienstag in Grieskirchen dem Thema Ernährung gewidmet war. Landtagspräsident Max Hiegelsberger (ÖVP) hob die Relevanz dieser Diskussionsrunden hervor:
„Ernährung ist ein kulturell und emotional stark aufgeladenes Thema. Gleichzeitig basiert die bei uns selbstverständlich erscheinende Nahrungsmittelsicherheit auf vielen Jahrhunderten von Forschung. Die Vorträge beim Unternehmen Pöttinger haben klar aufgezeigt, dass es einen nüchternen, faktenorientierten Blick auf diese Themen braucht, um auf Ängste und Sorgen in der Bevölkerung einzugehen.“
Er fügte hinzu: „Die Anerkennung der Wissenschaft und wissenschaftlicher Fakten in der Bevölkerung ist auch für unsere Demokratie von großer Bedeutung. Wissenschaftliche Erkenntnisse von Falschbehauptungen und Fake News zu trennen, wird immer mehr zu einer entscheidenden Kompetenz.“
Wissenschaft als Grundlage politischer Debatten
Professorin Siegrid Steinkellner von der Universität für Bodenkultur Wien thematisierte aktuelle Entwicklungen im Pflanzenschutz. Die Erwartungen an Lebensmittel sind hoch – von Leistbarkeit bis Umweltverträglichkeit – jedoch gibt es auch Vorbehalte gegenüber Pflanzenschutzmitteln. „Ja, der Einsatz von Pflanzenschutzmittel weltweit ist gestiegen und wird noch weiter steigen, nicht in Europa, sicher aber in Afrika, Asien und Amerika. Klar ist aber auch: In Österreich ist die Anwendung in den letzten Jahren gesunken.“ Die Forschung bemüht sich, chemische Mittel zu reduzieren und setzt zunehmend auf Kombinationen mit mechanischen Methoden. Professorin Eva Stöger betonte die Chancen der sogenannten „neuen“ Gentechnik:
„Wir stehen vor der großen Herausforderung, die Nahrungsmittelversorgung weltweit zu steigern – bei gleichzeitiger Reduktion von Ackerfläche, Dünger und Pflanzenschutzmitteln. Gleichzeitig herrscht in Österreich eine große Skepsis vor der sogenannten neuen Gentechnik. Fakt ist: Mit der Genschere und der vorhandenen Genomeditierung können wir viel gezielter und schneller die gewünschten Änderungen herbeiführen.“
Bitterstoffe mit Potenzial
Ein weiteres Thema stellte Fachhochschul-Professor Julian Weghuber vor, der an der FH Oberösterreich sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie Bitterstoffe untersucht, die eine Rolle bei der Prävention von Diabetes, Übergewicht oder Krebs spielen könnten. Auch traditionelle Verfahren wie Fermentation gewinnen an Bedeutung. Weghuber appellierte: „Unser Gesundheitssystem braucht einen neuen Fokus auf die Prävention, um die Lebensqualität zu erhöhen und Kosten zu sparen. Hier spielen bioaktive Pflanzen eine wichtige Rolle. Unzählige Verbindungen und Wirkstoffe warten noch auf ihre Entdeckung.“
Wirtschaftlichkeit im Fokus
In der abschließenden Talkrunde diskutierten Pöttinger-Geschäftsführer Gregor Dietachmayr und Josef Fraundorfer von Saatbau Linz über die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft. Forschung und Innovation seien entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Betriebe. Gleichzeitig betonten sie die Notwendigkeit eines klaren Bekenntnisses der Konsumentinnen und Konsumenten zur regionalen Qualitätsproduktion.
Die Veranstaltungsreihe „Raus aus der Nebelzone – Wissenschaft bringt Orientierung“ wird in Kooperation mit dem UAR Innovation Network und der Industriellenvereinigung Oberösterreich bis 2027 fortgesetzt.


