Wirtschaftliche Unsicherheit durch drohendes Sikawild-Verbot in Oberösterreich
Über 600 Familienbetriebe in Oberösterreich halten rund 14.000 Stück Farmwild, das hauptsächlich direkt vermarktet wird. Ein drohendes Verbot von Sikawild, das etwa 60 Betriebe betrifft, sorgt derzeit für Besorgnis.
Im Herbst ist die Nachfrage nach Wildfleisch aus heimischen Wäldern und bäuerlichen Gehegen besonders hoch. Die Gehege haben im Durchschnitt eine Größe von drei Hektar. Zu den gefragtesten Arten zählen Dam-, Rot-, Sika- und Muffelwild. Franz Waldenberger, Präsident der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, erläutert, dass viele Nebenerwerbsbetriebe, in denen derzeit noch Milchkühe gehalten werden, darüber nachdenken, weniger arbeitsintensive Formen der Grünlandnutzung zu wählen. Das Fleisch der Wildtiere zeichnet sich durch seine hohe Qualität aus, da es ganzjährig naturnah gehalten und überwiegend natürlich gefüttert wird.
Widerspruch gegen das Verbot von Sikawild
Sikawild hat sich in den letzten Jahren etabliert und wird wirtschaftlich als attraktiv angesehen. Dennoch soll dieses Wild ab August 2027 nicht mehr gehalten werden dürfen, nachdem die EU in einer Einstufung Sikawild als invasive Art identifiziert hat, die Waldschäden verursachen und zur Hybridisierung mit Rotwild führen könnte. Aktuell wird daran gearbeitet, dass Sikawild weiterhin in landwirtschaftlichen Gehegen gehalten werden darf. Waldenberger nennt die Einstufung und die Argumente der EU-Kommission für ein Verbot nicht nachvollziehbar und fordert eine praxisnahe Ausnahme, um die Existenzgrundlage vieler Betriebe zu sichern.
Qualität und Regionalität des Wildfleischs
Wildfleisch ist vielseitig und unterliegt strengen Qualitätskontrollen. Dam-, Sika- und Rotwild bieten feinfasriges, leicht verdauliches und geschmackvolles Fleisch. Es stammt ausschließlich von jungen Tieren. Waldenberger betont, dass Wildfleisch vom heimischen Bauern für artgerechte, kontrollierte Haltung und Fütterung steht und nachvollziehbare Qualität sowie Hygiene gewährleistet. Durch den Kauf von Wildfleisch direkt beim Bauern fördern Konsumenten die regionalen Kreisläufe.
Einordnung
Das drohende Verbot von Sikawild könnte die wirtschaftliche Basis zahlreicher Betriebe in Oberösterreich gefährden. Die Entscheidung betrifft nicht nur die Tierhaltung, sondern auch die regionale Vermarktung von Wildfleisch. Ein Verbot könnte weitreichende Auswirkungen auf die lokale Landwirtschaft und die Verfügbarkeit von hochwertigem Wildfleisch haben.


