Industriegipfel in Ybbs-Persenbeug: Österreichische Politiker und Unternehmer fordern Maßnahmen gegen Deindustrialisierung

Jänner 15, 2026 15:27
Industriegipfel in Ybbs-Persenbeug: Österreichische Politiker und Unternehmer fordern Maßnahmen gegen Deindustrialisierung

Industriegipfel warnt vor Deindustrialisierung in Österreich

Beim Industriegipfel im Donaukraftwerk Ybbs-Persenbeug haben Vertreter aus Politik und Wirtschaft zur Deindustrialisierung in Österreich Alarm geschlagen und konkrete Maßnahmen gefordert. Angesichts der hohen Energiepreise, steigenden Abgaben, zunehmenden Bürokratie und internationaler Wettbewerbsnachteile sind österreichische Betriebe massiv unter Druck. Darüber berichtet Welt Stimme.

Die wirtschaftliche Situation der heimischen Industrie gestaltet sich zunehmend schwierig. Rund 200 Teilnehmer aus den Bundesländern Niederösterreich und Oberösterreich betonten die Notwendigkeit sofortiger Schritte, um den Industriestandort zu sichern.

Zwei Bundesländer – 800.000 Arbeitsplätze
Die enge Zusammenarbeit zwischen Niederösterreich und Oberösterreich ist keine Zufälligkeit, da diese beiden Bundesländer zusammen 43 Prozent der Wertschöpfung der österreichischen Sachgüterindustrie ausmachen. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner erklärte, dass etwa 800.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der Industrie in diesen Regionen abhängen. „Industrie ist das Fundament der Existenz von Familien und zahlt viel für unser Sozialsystem,“ so Mikl-Leitner.

USA und China stärken sich – Europa knebelt sich mit Vorschriften
Die Teilnehmer warnten vor einem schleichenden Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Landeshauptmann Thomas Stelzer betonte: „Alles, was verwaltet werden soll, muss vorher erschaffen werden – und die Industrie ist die Basis dafür.“ Er machte deutlich, dass Europa sich selbst schwäche, während anderen Wirtschaftsräume wie die USA und China aufholen, und forderte Maßnahmen gegen die Überregulierung. „Wir dürfen nicht zuschauen, wie sich USA und China stärken und Europa sich mit Vorschriften knebelt.“

Manifest: Billiger Strom, Entlastung der Arbeit und Investitionsanreize
Ein zentraler Punkt des Gipfels war das unterzeichnete Industriemanifest, das unter anderem einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis nach deutschem Vorbild sowie steuerliche Vorteile für Arbeit und Investitionen fordert. „Unsere Betriebe dürfen nicht schlechtere Voraussetzungen haben als jene in Deutschland,“ so Mikl-Leitner. Sie und Stelzer unterstrichen die dringende Notwendigkeit, dass auch österreichische Unternehmen von solchen Tarifmodellen profitieren.

IV-OÖ-Präsident Thomas Bründl sprach von einem Wettlauf gegen die Zeit, da die Industrie mitten in einem Transformationsprozess stehe. Die jüngsten negativen Meldungen von Unternehmen wie KTM oder ZKW seien Warnsignale. „Wenn wir uns zurückkämpfen wollen, brauchen wir jetzt Maßnahmen – nicht noch mehr Regeln, die uns zusätzlich Gewicht in den Rucksack legen,“ so Bründl.

Große Schritte statt Reformchen
IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner forderte einen klaren Reformkurs und wies darauf hin, dass Österreich in internationalen Rankings zurückfällt. „Jetzt dürfen wir keine Reförmchen machen, sondern brauchen große Schritte.“ Vertrauen fehle, obwohl Kapital vorhanden sei. „Die Menschen haben mehr Geld am Konto als je zuvor, investieren es aber nicht – dafür braucht es klare Anreize.“

Alle Anwesenden waren sich einig, dass die Industrie nicht nur Motor für Wachstum und Innovation ist, sondern auch die finanzielle Basis des Sozialstaates bildet. Laut Manifest ist jeder dritte Arbeitsplatz in Österreich direkt oder indirekt von der industriellen Stärke der beiden Bundesländer abhängig. Um diese Rolle auch in Zukunft zu sichern, müsse Leistung wieder attraktiver werden, etwa durch Entlastungen bei Überstunden und einen Abbau von Bürokratie.

Wir müssen mehr und länger arbeiten
Ein weiterer zentraler Punkt des Gipfels war die Frage der Arbeitszeiten. Angesichts des Arbeitskräftemangels und der angespannten Budgets müsse Leistung wieder in den Mittelpunkt der Diskussion rücken. IV-OÖ-Präsident Thomas Bründl äußerte sich klar: „Müssen wir wieder mehr und länger arbeiten? Ja. Kein Sportler wird mit weniger Training mehr Leistung erbringen.“ Auch IV-NÖ-Präsident Kari Ochsner forderte eine offene Debatte über Arbeitszeiten. „Es ist zumutbar, den Österreichern zu sagen, dass wir zwei Prozent mehr arbeiten müssen. Wenn wir gesünder älter werden, gehört auch die Lebensarbeitszeit erhöht.“

Die Politik lenkte das Thema längere Arbeitszeiten in Richtung Teilzeitdebatte. Landeshauptmann Stelzer stellte fest, dass trotz wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Bedarf an Fachkräften hoch bleibe. „Es wäre gut, in Richtung Vollzeit zu gehen – aber es muss sich lohnen, mehr zu arbeiten.“ Johanna Mikl-Leitner verwies darauf, dass es wenig Länder gebe, in denen der Wechsel von Teilzeit zu Vollzeit so unattraktiv sei wie in Österreich. „Es muss sich steuerlich auszahlen, mehr zu arbeiten.“

Der gemeinsame Appell an den Bund ist eindeutig: Ohne rasche und mutige Reformen droht eine schleichende Deindustrialisierung. Johanna Mikl-Leitner warnte: „Wir müssen jetzt den Turbo einschalten, um wieder auf die Überholspur zu kommen.“

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