Bei einem Besuch in Traun präsentierte Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer die Industriestrategie Österreich 2035. Ziel dieser Strategie ist es, den Industriestandort Österreich langfristig zu sichern und gezielt Schlüsselbranchen zu stärken – darunter die österreichische Papierindustrie. Darüber berichtet Welt Stimme.
TRAUN. Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen in den Bereichen Energie, Kreislaufwirtschaft, Bioökonomie sowie eine umfassende Entbürokratisierung. Die Papierindustrie zählt zu den bedeutendsten Sektoren des Landes: Ca. 23 Unternehmen, rund 8.000 Arbeitsplätze und ein Branchenumsatz von über vier Milliarden Euro unterstreichen ihre wirtschaftliche Relevanz. Zugleich sieht sich die Branche einem starken internationalen Wettbewerbsdruck gegenüber und befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess.
„Die Papierindustrie ist eine Schlüsselbranche für Österreich. Klar ist aber auch, dass sie unter harten internationalen Wettbewerbsbedingungen steht und einen massiven Transformationswandel durchläuft“, betonte Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer. Aus diesem Grund bekennt sich die Bundesregierung dazu, Produktion und Arbeitsplätze in Österreich zu sichern.
Energiepolitik: Industriestrompreis soll Wettbewerbsfähigkeit sichern
Ein zentrales Element der Industriestrategie Österreich 2035 ist die Senkung der Energiekosten. Der Industriestrombonus wurde für die Jahre 2025 und 2026 eingeführt und im Rahmen der Industriestrategie bis 2029 verlängert. Ab 2027 soll darüber hinaus ein Industriestrompreis nach deutschem Vorbild umgesetzt werden.
„Damit schaffen wir Planbarkeit für Investitionen und sichern die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Betriebe“, erklärte Hattmannsdorfer. Ergänzend sollen der Ausbau erneuerbarer Energien, die Netzinfrastruktur sowie die Wasserstoffwirtschaft die Dekarbonisierung in Österreich vorantreiben. Auf EU-Ebene setzt sich die Bundesregierung für eine Verlängerung der CO₂-Gratiszertifikate über 2034 hinaus sowie für die Ermöglichung von CCS-Technologien ein.
Kreislaufwirtschaft und Bioökonomie als Wachstumsmotor
Ein weiterer zentraler Aspekt der Industriestrategie ist die Kreislaufwirtschaft. Die Papierindustrie profitiert dabei von ihrem starken Fokus auf Recycling und biobasierte Rohstoffe. Ziel ist es, die Rohstoffversorgung durch effizientere Aufbereitungssysteme, einen funktionierenden Sekundärrohstoffmarkt und regionale Recycling-Cluster langfristig abzusichern.
Martin Zahlbruckner, Vertreter der österreichischen Papierindustrie, betonte: „Wir setzen auf bio-basierte, technologisch führende Fasermaterial-Lösungen und leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Transformation der Industrie. Eine konsequente Dekarbonisierungsstrategie macht die Papierindustrie zu einem Pionier der Bioökonomie.“ Zusätzlich soll die Anbindung digitaler Ressourcenplattformen an die öffentliche Beschaffung die Nachfrage nach zirkulären Materialien erhöhen und Investitionen absichern.
Internationale Märkte und EU-Binnenmarkt im Fokus
Die Industriestrategie Österreich 2035 strebt auch eine stärkere internationale Ausrichtung an. Neue EU-Handelsabkommen sollen die Exportmöglichkeiten verbessern und zur Diversifizierung der Rohstoffquellen beitragen. Gleichzeitig soll der EU-Binnenmarkt durch den Abbau bestehender Hemmnisse gestärkt werden, um grenzüberschreitende Lieferketten effizienter zu gestalten. Besonders für die exportorientierte Papierindustrie bedeutet das mehr Planungssicherheit und eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit auf internationalen Märkten.
Entbürokratisierung soll Betriebe entlasten
Ein weiterer Schwerpunkt der Strategie ist die Reduzierung von Berichts- und Meldepflichten. Bis 2035 soll der administrative Aufwand für Unternehmen deutlich sinken. Für die Papierindustrie bedeutet dies weniger Bürokratiekosten und mehr Ressourcen für Innovation, Investitionen und Transformation.
Branche fordert rasche Umsetzung der Maßnahmen
Auch Sigrid Eckhardt, Geschäftsführerin von Austropapier, begrüßte die Industriestrategie: „Die österreichische Papierindustrie produziert, innoviert und investiert nachhaltig in Österreich. Als Schlüsselbranche für Bioökonomie und Kreislaufwirtschaft verbinden wir verantwortungsvolle Rohstoffnutzung mit starker regionaler Wertschöpfung. Die Industriestrategie 2035 setzt ein wichtiges politisches Signal – entscheidend ist nun die schnelle Umsetzung.“
Mit der Industriestrategie Österreich 2035 soll der Grundstein gelegt werden, um die Papierindustrie und andere Schlüsselbranchen langfristig zu stärken und Österreich als leistungsfähigen Industrie- und Innovationsstandort zu sichern.


