Interview mit Julia Kröll: Anforderungen an Top-Arbeitgeber in Salzburg

Feber 13, 2026 12:49
Interview mit Julia Kröll: Anforderungen an Top-Arbeitgeber in Salzburg

AMS Salzburg: Anforderungen und Wünsche der Arbeitssuchenden

Ein wertschätzendes Umfeld und ein lebensphasenorientierter Arbeitsplatz können zur Mitarbeiterbindung beitragen.

SALZBURG. Julia Kröll, die neue Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice Salzburg (AMS), äußerte sich zu den Erwartungen von Arbeitssuchenden an Arbeitgeber. Darüber berichtet Welt Stimme.

Was wünschen sich Arbeitssuchende in Salzburg von einem Arbeitgeber?
JULIA KRÖLL:
Zentral ist, dass der Job zu ihnen und ihrer Vorerfahrung passt, sodass ihre Ausbildung und ihre Kompetenzen einfließen können. Wichtig ist immer auch das Thema Mobilität. Das Unternehmen muss gut erreichbar sein, oft auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Wer auf Öffis angewiesen ist, braucht auch eine Arbeitszeit, die zum Öffi-Takt passt. Nach wie vor spielen auch Work-Life-Balance, ein attraktives Gehalt, ein gutes Betriebsklima und Aufstiegschancen eine Rolle. Im angestellten Bereich hat sich der Wunsch nach Homeoffice-Tagen und Telearbeit etabliert.

Was schätzt du an einem Arbeitgeber am meisten?


Gibt es unterschiedliche Bedürfnisse nach Generationen?
JULIA KRÖLL: Im Generationen-Management spricht man davon, dass die Arbeit für die Generationen „Y“ und „Z“ einen Sinn ergeben muss. Diese Generationen wollen mit ihrem Tun einen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Das können wir auch aus der Arbeit in unseren Berufsinformationszentren bestätigen. Dass die Unternehmen ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden, spielt durchaus eine Rolle für diese Generationen. Wir merken aber auch, dass der Wunsch nach einer sinnstiftenden Tätigkeit auch den sogenannten „Baby-Boomern“ und der „Gen X“ nicht fremd sind.

Gibt es hierbei Unterschiede des Arbeitsmarktes in Salzburg zu Rest-Österreich?
JULIA KRÖLL:
Der Salzburger Arbeitsmarkt ist besonders dynamisch und von der Saisonarbeit geprägt. Der Arbeitsmarkt profitiert einerseits davon, weil immer wieder Stellen frei werden, aber es kommt dadurch natürlich auch immer wieder zu Abgängen.

Passen Angebot und Anforderungen in Salzburg zusammen? Sprich: Können Arbeitgeber bieten, was Arbeitsuchende suchen?
JULIA KRÖLL: Hier auch nachzuschärfen ist unser tägliches Brot beim AMS. Wir sehen in Gesprächen auch schwierige Wünsche, beispielsweise wenn ein Arbeitnehmer/eine Arbeitnehmerin nicht mehr im Saisonbetrieb arbeiten will, aber in dieser Branche ausgebildet ist. Hier können wir Umqualifizierung ermöglichen oder in einem größeren Umkreis nach einem Arbeitsplatz suchen. Unsere klare Botschaft an Arbeitgeber lautet, im gesamten Teich zu fischen, sonst gibt es nur eine sehr kleine Gruppe an potenziellen Arbeitnehmerinnen und -nehmern. Ein Schwerpunkt unserer Beratung ist auch, Betriebe über alters- und altersgerechtes Arbeiten zu informieren.

Wozu rät das AMS Unternehmen, um Fachkräfte zu gewinnen und sie zu halten?
JULIA KRÖLL: Unternehmen müssen sich mehr einfallen lassen als den Gratis-Obstkorb. Die Beratung zur Arbeitgeberattraktivität ist eines unserer Schwerpunkt-Services für Unternehmen. Bei Betrieben in den Regionen ist die Mundpropaganda wichtig. Ich muss mich in der Region, in der auch meine potenziellen Arbeitnehmer ansässig sind, bekannt machen. Wenn die eigenen Mitarbeitenden glaubwürdig und authentisch Positives über das Unternehmen erzählen, ist das die beste Werbung. Wer ein wertschätzendes Umfeld und einen lebensphasenorientierten Arbeitsplatz bieten kann, wird Mitarbeitende lange halten können. Nicht zu vergessen ist, dass mehr als ein Drittel der Lehrlinge nach Abschluss der Lehre im Unternehmen bleiben wollen. Bereits hier liegt viel Potenzial. Zentral ist auch der Ablauf der Bewerbung und des Onboardings. Hier kann man sich einen guten Namen in der Region machen.

Sind jene Unternehmen, die ständig Mitarbeitende suchen, keine guten Arbeitgeber?
JULIA KRÖLL:
Ein klares Nein. So kann man das nicht sagen. Fluktuation kann viele Gründe haben.

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