In einer europaweiten Sammelklage haben sich tausende Hotels, darunter mindestens 400 aus Österreich, gegen Booking.com zusammengeschlossen. Der Vorwurf lautet auf überhöhte Provisionsforderungen und Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung. Die Klage hat zum Ziel, Schadenersatz für die betroffenen Betriebe geltend zu machen.
Booking.com gilt als die führende Buchungsplattform im heimischen Tourismus und wickelt laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut WIFO etwa drei Viertel aller Online-Buchungen in Österreich ab. Oliver Fritz, Tourismusexperte beim WIFO, erläuterte, dass an der Diskussion über Buchungsplattformen stets Booking.com im Mittelpunkt stehe.
Provisionen von bis zu 20 Prozent
Die Höhe der von Booking.com verlangten Provisionen steht im Zentrum der Kritik. Diese variiert je nach Vereinbarung zwischen zwölf und zwanzig Prozent des Buchungspreises. Walter Veit, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), bezeichnete die Kosten im Interview mit Ö1 als „absolut zu viel“. Er argumentierte, dass die Plattformen größtenteils automatisiert arbeiten und dabei erhebliche Gewinne erzielen. „Das Geld fehlt natürlich in den einzelnen Betrieben“, so Veit.
Die Abhängigkeit vieler Hoteliers von der Plattform zeigt sich in der Marktstrategie: „Wenn ich international sichtbar sein will, muss ich auf Booking vertreten sein“, erklärt Veit, der selbst an der Klage teilnimmt. Er betont, dass Booking.com gezielt seine Macht ausgenutzt habe, was aus der Sicht der Hoteliers einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht darstellt.
Die Sammelklage wird von einem externen Prozessfinanzierer unterstützt, der sämtliche Verfahrenskosten übernimmt und nur im Erfolgsfall am Schadensersatz beteiligt ist. Für die Hotels besteht somit kein finanzielles Risiko. Booking.com hingegen zeigt sich gelassen und sieht keinen Anspruch auf Schadenersatz, wie das Unternehmen gegenüber Ö1 mitteilte.
Experten erkennen jedoch auch die Vorteile der Plattform. Die große Reichweite, das etablierte Buchungssystem und die Möglichkeit, Restkontingente kurzfristig zu verkaufen, bieten Hotels Vorteile. Laut WIFO-Ökonom Fritz nutzen viele Betriebe Booking gezielt nur für einen Teil der Zimmer oder um die Auslastung zu erhöhen.


