Österreichischer Handelsverband zieht ernüchternde Bilanz für 2024
Der österreichische Handelsverband hat die Bilanz für das vergangene Jahr veröffentlicht und diese fällt ernüchternd aus. Nur 40 Prozent der Unternehmen schlossen mit einem Gewinn ab, während 30 Prozent Verluste verzeichneten. Darüber berichtet Welt Stimme.
Im Jahr 2024 gab es in Österreich insgesamt 1.208 Pleiten. Rainer Will, Geschäftsführer des freien, überparteilichen Handelsverbands, teilte dies während der Neujahrspressekonferenz am Donnerstag, dem 15. Januar, mit. Er betonte, dass der österreichische Handel inzwischen sechs Krisenjahre hinter sich habe und forderte gemeinsam mit Branchenvertretern Maßnahmen zur Unterstützung. „Österreichs Handel steht am Scheideweg“, erklärte Will. „2023 und 2024 hatten wir eine Rezession, im Vorjahr gab es in unserem Land immerhin ein minimales BIP-Wachstum von 0,5 Prozent. Die Eurozone ist 2025 aber dreimal so schnell gewachsen wie wir, der heimische Handel hingegen musste das dritte Rekordpleitejahr in Folge verkraften.“
Bürokratieabbau und Inflationsbekämpfung
Die erste Forderung kam von Irina Andorfer, Geschäftsführerin von SPORT 2000. Sie äußerte, dass 80,4 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) einen Abbau der Bürokratie fordern. Der „Bürokratiedschungel“ habe negative Auswirkungen auf Unternehmensgründungen, wobei Österreich im EU-Vergleich eine untere Position einnehme. Um die Situation zu verbessern, wird ein Abbau der bürokratischen Hürden um mindestens 50 Prozent bis 2035 gefordert.
Andrea Heumann, Geschäftsführerin von Thalia Österreich, wies besonders auf die Inflationsproblematik hin. Laut ihren Angaben sind 61 Prozent der Österreicher finanziell gestresst, 69 Prozent haben ihre Ausgaben für Shopping eingeschränkt, und 42 Prozent sind gezwungen, auf ihre Ersparnisse zurückzugreifen. Sie forderte verstärkte Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation, insbesondere im Energiebereich.
Diversität im Handel
Andrea Hiotu, Mitglied der Geschäftsleitung bei DM Österreich, stellte fest, dass der Handelssektor weiblich geprägt ist, mit einem Anteil von 71 Prozent im Einzelhandel. Sie unterstrich auch die Notwendigkeit, den hohen Teilzeitanteil von 47,7 Prozent zu reduzieren und Arbeitsanreize zu setzen, um eine nachhaltige Beschäftigung zu fördern.
Herausforderungen durch Online-Shopping
Harald Gutschi, Geschäftsführer von Otto Austria, thematisierte die Dominanz ausländischer Online-Shops, wobei 60 Prozent der Ausgaben in diesem Sektor an Internationale Shops fließen, insbesondere an asiatische Anbieter. Dies spiegelt sich auch in den Paketlieferungen wider, bei denen ein Viertel aus China stammt. Will forderte faire Wettbewerbsbedingungen und eine Abschaffung der 150-Euro-Zollgrenze.
Will betonte zudem die Bedeutung der intelligenten Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Steigerung der Produktivität. Er wies darauf hin, dass der europäische Kapitalmarkt stark ausgebaut werden muss, da er derzeit viermal kleiner als der US-Markt ist.
Ausblick auf das Jahr 2026
Die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung steht im Raum, jedoch müssen Bund und Länder ihre Budgets konsolidieren. Laut Will müssten die Schulden von heute als Steuern von morgen berücksichtigt werden. Im Hinblick auf das Jahr 2026 rechnen 45 Prozent der heimischen Händler mit Gewinnen, während 20 Prozent Verluste und 35 Prozent ein ausgeglichenes Ergebnis erwarten.
„2026 haben wir die Chance, den wirtschaftlichen Turbo anzuwerfen. Dafür muss Schluss sein mit der übergeordneten Bürokratie“, so Will abschließend. „Die hohen Energiekosten sind der Brandbeschleuniger der Inflation. Sie sind die unsichtbare Steuer auf jeden Einkauf.“


