Die Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft sind erneut gescheitert, weshalb die Gewerkschaften nun eine dreitägige Streikwelle an über 120 Standorten ausrufen. Die Arbeitgeber verweisen unterdessen auf fehlende finanzielle Spielräume aufgrund unzureichender öffentlicher Finanzierung. Eine rasche Einigung ist nicht zu erwarten. Darüber berichtet Welt Stimme.
ÖSTERREICH. Bei den Kollektivvertragsverhandlungen in der Sozialwirtschaft ist die dritte Verhandlungsrunde ebenfalls gescheitert. Der Vorschlag der Arbeitgeber sieht für 2026 durchschnittliche Erhöhungen von 1,71 Prozent auf Kollektivvertragsgehälter und 1,3 Prozent auf IST-Gehälter vor. Für das Jahr 2027 sind einheitliche Steigerungen von 1,65 Prozent geplant. Für 2026 wurden gestaffelte Erhöhungen vorgesehen, die von 2,8 Prozent für niedrigere Gehaltsstufen bis zu 1,3 Prozent für höhere Einkommen reichen. Zudem sollen Zulagen und Lehrlingseinkommen ebenfalls moderat steigen. Die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA) und vida wiesen das Angebot als „unzureichend“ zurück, da es die Reallohnverluste der Beschäftigten nicht ausgleiche. Die Arbeitgeber betonen die Abhängigkeit von Bundesmitteln.
Infolge des gescheiterten Verhandlungsprozesses haben die Gewerkschaften eine dreitägige Streikwelle ausgerufen. Bislang wurden Streikbeschlüsse aus rund 120 Standorten in ganz Österreich gemeldet, wobei weitere Beschlüsse zu erwarten sind, wie die GPA am Montag bestätigte. Die Streiks wurden bereits in der Nacht auf Freitag angekündigt, und in zahlreichen Betriebsversammlungen in Einrichtungen mit insgesamt etwa 130.000 Beschäftigten in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Pflege fielen entsprechende Entscheidungen. Die Streikfreigabe des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) liegt ebenfalls vor.
Keine Auswirkungen auf Klienten
Ab Dienstag wird in allen Bundesländern außer Wien gestreikt, die Bundeshauptstadt folgt am Mittwoch. Die Streikaktionen sind auf einige Stunden pro Tag angesetzt. Die GPA gibt an, dass keine Auswirkungen auf Klientinnen und Klienten zu befürchten seien. Es könne jedoch zu punktuellen Einschränkungen wie abgesagten Ausflügen oder kurzfristigen Schließungen für den Kundenverkehr kommen.
Zum Ende der Streikwoche plant die Gewerkschaft am Donnerstag eine größere Aktion im Wiener Ignaz-Kuranda-Park, direkt gegenüber dem Arbeitgeberverband Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ). Beschäftigte sollen dort eine symbolische „Lichter-Menge“ bilden, um die Arbeitgeberseite zu einem verbesserten Angebot zu bewegen. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 11. Dezember anberaumt.
Abschluss vor Weihnachten „schwierig“
Die Arbeitgeberseite verweist bei den Verhandlungen auf begrenzte finanzielle Spielräume. Erich Fenninger, Vorsitzender der Sozialwirtschaft Österreich und Geschäftsführer der Volkshilfe, erklärte in der ORF-Sendung ZiB2, dass man stark von der öffentlichen Finanzierung abhängig sei.
Fenninger äußerte Verständnis für die Forderungen der Gewerkschaften, betonte jedoch, dass ohne ausreichende Mittel von Bund und Ländern größere Lohnsteigerungen nicht möglich seien. Hinsichtlich eines möglichen Abschlusses noch vor Weihnachten zeigte er sich skeptisch: „Schwierig – wenn die Länder nicht ausreichend valorisieren, wird es nicht einfach.“


