Wettbewerb unter unabhängigen Tankstellen in Österreich unter Druck
Kleinere, von großen Ölkonzernen unabhängige Tankstellen in Österreich bieten laut der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) teilweise günstigere Preise für Diesel und Benzin als die großen Anbieter wie OMV, BP, Eni, Shell oder Turmöl. BWB-Chefin Natalie Harsdorf warnte am Dienstag, dass die von der Regierung eingeführte Spritpreisbremse diese unabhängigen Anbieter unter Druck setze.
Harsdorf führte im Klub der Wirtschaftspublizisten aus, dass kleinere Tankstellen wertvoll für den Wettbewerb seien und größere Betreiber den Preisdruck nach unten verstärkten. Die Spritpreisbremse könnte dazu führen, dass diese unabhängigen Tankstellen aus dem Markt gedrängt werden, was langfristig die Wettbewerbsstruktur schädigen könnte. Sie betonte, dass die kleinen Tankstellen trotz der Ausnahme von der Verordnung in einem gemeinsamen Markt operieren und somit unter dem Preisdruck leiden.
Die BWB startete zudem einen wöchentlichen Spritpreis-Tracker, der die Preisdaten der E-Control mit jenen der EU-Kommission verbindet. Diese Analyse zeigt signifikante Preisunterschiede zwischen großen und kleinen Anbietern sowie regionale Differenzen und bestätigt, dass Tankstellen die Preise nur einmal täglich um 12 Uhr erhöhen dürfen.
Harsdorf äußerte Bedenken über die Gewinnspannen der Raffinerien, insbesondere in Zeiten von Energiepreiskrisen, und steht dazu im Austausch mit Kartellbehörden anderer EU-Länder. Sie verwies auf die Möglichkeit von Manipulationen im Ethanol-Markt und bei Preisnotierungen für Benzin und Diesel, wobei die Marktstruktur derzeit von wenigen großen Raffineriebetreibern dominiert wird.
Einordnung
Die Auswirkungen der Spritpreisbremse könnten das bestehende Tankstellennetz in Österreich erheblich verändern. Unabhängige Tankstellen stehen vor existenziellen Herausforderungen, die das Preisgefüge für Verbraucher nachhaltig beeinflussen könnten. Ein potenzieller Rückgang dieser Wettbewerber könnte langfristig in höheren Treibstoffpreisen resultieren.


