Die Stadt Wien wird das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) der Caritas auf der Wieden ab 2026 nicht mehr finanzieren, was schwerwiegende Folgen für betroffene Personen haben könnte. Darüber berichtet Welt Stimme.
WIEN. Im Sommer erwähnte die Finanzstadträtin Barbara Novak (SPÖ) die angespannte finanzielle Lage der Stadt Wien und dass alle Bereiche einer Überprüfung unterzogen werden müssten. Seitdem wurden verschiedene Sparmaßnahmen vorgestellt, die teils zu heftiger Kritik führten, wie beispielsweise die Einsparungen im Suchthilfesystem. Betriebsräte mehrerer Einrichtungen wiesen auf die langfristigen Folgen dieser Entscheidungen hin.
Eine neue Sparmaßnahme sorgt nun für Aufsehen: Wie der „Standard“ berichtete, muss das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) der Caritas Wien (4., Wiedner Hauptstraße 105) aufgrund fehlender Stadtfinanzierung im Januar 2026 nach rund 40 Jahren schließen. Das SPZ richtet sich an Menschen mit chronischen psychischen Erkrankungen, insbesondere im Bereich der Schizophrenie. Oft handelt es sich um Personen, die aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung aus anderen Angeboten herausgefallen sind.
Im SPZ erhalten die Patientinnen und Patienten Tagesstruktur, Gruppenangebote, Freizeitaktivitäten sowie Unterstützung durch ein multiprofessionelles Team, das aus Sozialarbeitenden, Psychologinnen und Psychologen, Peers sowie Therapeutinnen und Therapeuten besteht.
Caritas: Entscheidung kam „recht unerwartet“
Bis 2024 gab es zudem eine niederschwellige medizinische Betreuung. Bisher wurde die Finanzierung des Angebots durch den Fonds Soziales Wien (FSW) in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) sichergestellt. Ab 2025 übernahm der Psychosoziale Dienst (PSD) der Stadt vollständig die finanziellen Mittel, nachdem die von der ÖGK geförderten Fachärztlichen Angebote ausgelagert wurden. Dies erklärte die Caritas Wien in einem Gespräch.
Die Schließung wurde sowohl von der Caritas als auch vom PSD bestätigt. Während die Caritas anmerkt, es habe zunächst „positive Signale“ gegeben, die dann jedoch am 21. Oktober abrupt dazu führten, dass die Förderung komplett gestrichen wurde, behauptet die Stadt, bereits im September auf eine „unklare Finanzierungslage“ hingewiesen zu haben. Die Caritas versuchte anschließend, die bevorstehende Schließung zu verhindern, betont jedoch, dass sowohl die Betroffenen als auch die Organisation selbst in dieser Situation allein gelassen werden.
100 Klienten und sechs Mitarbeiter betroffen
Die Entscheidung, die Finanzierung zu streichen, begründet das PSD mit der Budgetkonsolidierung und der wirtschaftlichen Gesamtsituation der Republik. Es wird jedoch betont, dass die umfassende Behandlung und psychosoziale Versorgung aller Klientinnen und Klienten weiterhin sichergestellt sei. Ab 2026 sollen Betroffene, die die Tagesstruktur des SPZ genutzt haben, alternativ die Tagesstrukturen des PSD Wien in Anspruch nehmen können.
Von der Schließung sind etwa 100 Klientinnen und Klienten betroffen, weitere 40 befinden sich laut Caritas auf der Warteliste. Derzeit sind sechs hauptamtliche Mitarbeiter im SPZ tätig.
Caritasdirektor Klaus Schwertner kritisiert, dass die erhofften Einsparungen „in keinem Verhältnis zu den Folgekosten“ stünden, die durch die Schließung entstehen könnten. „Es ist zu befürchten, dass einige der Betroffenen ihre Wohnung verlieren bzw. in Akutkrankenhäusern aufgenommen werden müssen, wenn sie in schwere psychische Krisen geraten. Hier wird ausgerechnet dort gekürzt, wo Unterstützung am dringendsten gebraucht wird.“ Das PSD Wien meint, die Kritik sei nicht nachvollziehbar, da der überwiegende Teil der Betroffenen bereits in medizinisch-psychiatrischer Behandlung des PSD steht und ab 2026 die Tagzentren des PSD verfügbar sein werden.


