Wiener Politik trifft Veranstalter-Branche mit scharfer Kritik zum Kultureuro

September 14, 2026 13:43
Wiener Politik trifft Veranstalter-Branche mit scharfer Kritik zum Kultureuro

Kritik am geplanten Kultureuro in Wien

Die Kritik am geplanten „Kultureuro“ in Wien nimmt zu. Neben der Staatsoper und den Bundesmuseen äußert nun auch die Interessengemeinschaft Österreichische Veranstaltungswirtschaft (IGÖV) Bedenken. Sie bezeichnet die Steuer als „Strafsteuer für Kulturinteressierte“ und kritisiert den Begriff „Kultureuro“ als „hirnlos“.

Die Stadt plant, für den Eintritt zu Kulturinstitutionen in Wien eine zusätzliche Abgabe von 12,5 Prozent auf jedes Ticket zu erheben. Staatsoperndirektor Bogdan Roščić äußerte gegenüber MeinBezirk, dass diese Abgabe nicht nur irreführend sei, sondern auch als Aprilscherz gedacht werden könnte. Das Wiener Konzerthaus sieht die Maßnahme als Verkauf der „kulturellen Seele“ Wiens.

Die IGÖV, die alle relevanten Veranstalter des Landes umfasst, kritisiert das Vorhaben als unreflektiert und warnt, dass die Kultureinrichtungen dadurch unter finanziellen Druck geraten könnten. Die IGÖV rechnet vor, dass die zusätzliche Abgabe rund 120 Millionen Euro einbringen könnte, was das Kulturbudget der Stadt um beinahe ein Drittel erweitern würde. Sie stellt in Frage, worin der Nutzen dieser Mehreinnahmen liegen soll, da Wien bereits zu den Städten mit den höchsten Pro-Kopf-Ausgaben für Kultur zählt.

Etwa 30 Millionen Besucher, die Tickets für kulturelle Veranstaltungen kaufen, wären durch die Erhöhung der Eintrittspreise betroffen. Dies könnte dazu führen, dass bis zu 2.000 Menschen aus verschiedenen Bereichen wie Technik, Grafik, Sicherheit und Gastronomie ihre Arbeitsplätze verlieren. Auch Künstler wären betroffen, was die IGÖV als eine Belastung für den Staatshaushalt und das kommunale Budget ansieht.

Die IGÖV und weitere Veranstalter befürchten, dass Wien durch die strukturelle Verteuerung für internationale Künstler und Tourneen unattraktiv werden könnte. Ewald Tatar vom Konzertveranstalter Barracuda Music bezeichnetet die Maßnahme als „modernes kommunales Raubrittertum“, die den Facettenreichtum der Kulturszene gefährde. Live Nation weist darauf hin, dass eine Abgabe von 12,5 Prozent bei großen Veranstaltungen wie den vier ausverkauften Konzerten von Coldplay erhebliche finanzielle Konsequenzen hätte.

Einordnung

Die Einführung des „Kultureuros“ könnte die Kostensituation für den Besuch von kulturellen Veranstaltungen in Wien drastisch verändern. Dies hat nicht nur Auswirkungen auf die Besucherzahlen, sondern könnte auch die gesamte Kulturlandschaft gefährden. Eine Erhöhung der Eintrittspreise könnte dazu führen, dass weniger Menschen Zugang zu kulturellen Angeboten haben, was langfristig die Diversität und den Reichtum des kulturellen Angebots in der Stadt beeinträchtigen würde.

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