Seit Jahresbeginn verzeichnete Linz 117 Unternehmenskonkurse. Nach der Insolvenz von ESIM Chemicals letzte Woche hat MeinBezirk nachgefragt, wie es um den Industrie- und Wirtschaftsstandort Linz aktuell steht. Darüber berichtet Welt Stimme.
LINZ. Der Konkurs des Linzer Chemieunternehmens ESIM sowie der zugehörigen Holdinggesellschaft verdeutlicht die angespannte Lage am Wirtschaftsstandort Linz. Linz‘ Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) bezeichnete den Insolvenzantrag als einen „schweren Schlag für den Wirtschaftsstandort Linz“. Viele hochqualifizierte Fachkräfte sind betroffen, und rund 300 Mitarbeitende stehen vor der Unsicherheit ihrer Jobs. Das Unternehmen belastet ein Schuldenberg von etwa 270 Millionen Euro. Die Hoffnung besteht, den Betrieb mittelfristig weiterzuführen, um eine Sanierung oder Restrukturierung zu ermöglichen.
„Städte können diese Aufgabe nicht alleine stemmen“
Prammer fordert ein klares Bekenntnis des Landes zur Unterstützung der Unternehmen, insbesondere derjenigen, die in Linz und Oberösterreich Arbeitsplätze schaffen. „Städte können diese Aufgaben allein nicht stemmen“, betont der Bürgermeister. Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP) nimmt ebenfalls Stellung und verweist auf die jüngsten Entlastungsbeschlüsse im Nationalrat, welche die Energiekosten und die Industrieentlastung betreffen. Prammer sieht jedoch die Notwendigkeit für mehr als nur kurzfristige Maßnahmen.
Linz verzeichnete heuer 117 Unternehmensinsolvenzen
Die wirtschaftliche Situation in Oberösterreich bleibt laut Alexander Meinschad, Referent Insolvenz Linz vom Kreditschutzverband 1870 (KSV1870), geprägt von Unsicherheit. Die finanzielle Lage vieler Unternehmen hat sich seit Jahresbeginn 2025 kaum verbessert. Linz verzeichnete seit Jahresbeginn 117 Unternehmensinsolvenzen, was dem Vorjahresniveau entspricht. Besonders betroffen sind der Handel, die Baubranche sowie die Gastronomie und Beherbergung. Meinschad führt dies auf hohe Kosten für Energie und Personal zurück und hebt hervor, dass oft zu spät auf Marktveränderungen reagiert wird. In einer KSV1870-Analyse wurde festgestellt, dass dies der Hauptgrund für jede vierte Insolvenz in Oberösterreich ist.
Gestiegene Energie- und Personalkosten
Die Wirtschaftskammer OÖ wertet die Insolvenz von ESIM als „deutliches Warnsignal für die gesamte Industrie in Oberösterreich“. Der Fall illustriert, wie stark energieintensive Betriebe gegen die enorm gestiegenen Energiepreise, die steigenden Lohnkosten und den internationalen Wettbewerbsdruck kämpfen. Klaus Schobesberger, Obmann der WKO Linz-Stadt, fordert: „Um Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region zu erhalten, müssen die Rahmenbedingungen dringend verbessert werden – insbesondere durch leistbare Energie und eine realistische, industriefreundliche Wirtschaftspolitik.“


