Von der Leyen warnt in Vilnius vor wachsenden Sicherheitsrisiken für die baltischen Staaten

September 2, 2025 13:00
Von der Leyen warnt in Vilnius vor wachsenden Sicherheitsrisiken für die baltischen Staaten
Von der Leyen warnt in Vilnius vor wachsenden Sicherheitsrisiken für die baltischen Staaten

Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat am 1. September 2025 bei einem Besuch in Litauen vor den zunehmenden militärischen Bedrohungen für die baltischen Staaten durch Russland gewarnt. Sie kündigte an, dass die EU beim informellen Gipfel des Europäischen Rates im Oktober eine fünfjährige Verteidigungs-Roadmap präsentieren werde. Diese soll eine Analyse der Investitionen in die Rüstungsindustrie, die Identifizierung von Fähigkeitslücken sowie konkrete Vorschläge zu deren Schließung enthalten.

Zusätzliche EU-Mittel für Litauen

Von der Leyen betonte in Vilnius, dass die Europäische Union bereits 327 Millionen Euro für ein Programm zur Stärkung der litauischen Grenzen bereitgestellt habe. Künftig sollen weitere Mittel in die Sicherheitsarchitektur des Landes fließen. Dazu gehört laut der Kommissionschefin die Anschaffung von Hubschraubern sowie die Finanzierung der Überwachung des Eisenbahnverkehrs zwischen Russland und der russischen Exklave Kaliningrad, der über litauisches Territorium verläuft.

„Sie stehen Russland in Kaliningrad gegenüber, Belarus im Süden Ihrer Grenze. Sie leben unter geopolitischem und wirtschaftlichem Druck, unter ständiger militärischer und hybrider Bedrohung. Seien Sie versichert: Wenn Litauen getestet wird, wird ganz Europa getestet“, sagte von der Leyen in ihrer Rede. Auch auf ihrem offiziellen Profil in den sozialen Medien unterstrich sie die Notwendigkeit, Europas Verteidigungsfähigkeit umfassend zu stärken.

Maßnahmen an der Grenze und Schwachstelle Suwałki-Korridor

Bereits am 30. August hatte die litauische Armee den Aufbau zusätzlicher Barrieren an kaum genutzten Grenzwegen zu Russland und Belarus gemeldet. Armeekommandeur General Raimundas Vaikšnoras erklärte, dass jede dieser Maßnahmen in ein übergreifendes Verteidigungskonzept eingebettet sei. Besondere Aufmerksamkeit gilt dem sogenannten Suwałki-Korridor, der einzige Landkorridor zwischen den baltischen Staaten und dem restlichen NATO-Gebiet. Im Konfliktfall könnte seine Blockade die Region von der Allianz isolieren.

Luftverteidigung und hybride Angriffe

Angesichts der engen Zusammenarbeit des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko mit Moskau beschloss Litauen bereits im Juli die Stationierung zusätzlicher Luftverteidigungssysteme an der Südgrenze. Auslöser waren auch wiederholte Vorfälle mit Drohnen, die den Luftraum verletzten. NATO-Beobachtungen zeigen zudem, dass Russland in den vergangenen Jahren regelmäßig hybride Operationen gegen baltische Staaten durchführte – von Spionage und Sabotage über Cyberangriffe bis hin zu Desinformationskampagnen. Auch das Auftreten nicht gekennzeichneter Soldaten („grüne Männchen“) an der belarussischen Grenze gilt als potenzielle Eskalationsgefahr.

Einschätzungen westlicher Nachrichtendienste

Nach Einschätzung des Bundesnachrichtendienstes könnte der Kreml versuchen, die Entschlossenheit der NATO nicht durch einen offenen Krieg, sondern durch kontrolliertes Chaos und Druck auf die baltischen Staaten zu testen. Ziel solcher hybriden Maßnahmen wäre es, das Vertrauen in die Wirksamkeit von Artikel 5 des Bündnisvertrages – der die kollektive Verteidigung garantiert – zu untergraben.

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