Die wirtschaftliche Situation in der Steiermark ist akut angespannt, da eine tiefgreifende Rezession in Teilen der Industrie, steigende Arbeitslosigkeit und hohe Inflation zusammen mit den Nachwirkungen der Corona-Krise und geopolitischen Konflikten zu einem ernsthaften Krisen-Cocktail führen. „Wir dürfen nicht vergessen: Die Steiermark ist keine Insel. Alles, was national und international passiert, wirkt hier mit voller Wucht hinein“, betont der Wirtschaftssoziologe Klaus Kraemer von der Uni Graz. Die Auswirkungen dieser Umstände beschrieb er als „kollektive Erschöpfung“, die das wirtschaftliche Klima im Land stark beeinflusst. Darüber berichtet Welt Stimme.
Die Sorgen um die wirtschaftliche Stabilität sind weit verbreitet. „Wir spüren gerade die Folgen einer ganzen Reihe von Krisen, die uns bis in den Alltag hinein erschüttert haben“, erklärte Kraemer. Die gestiegene Unsicherheit trägt maßgeblich zur schlechten Stimmung bei, was sich direkt auf das Konsumverhalten auswirkt.
Ungeachtet der prägnanten Herausforderungen ist nicht jeder Betrieb in der Steiermark in der Krise, und auch nicht jede Familie ist von Armut betroffen. Dennoch lässt sich eine allgemeine Unsicherheit feststellen. „Wirtschaft ist nicht nur ein Reich der nüchternen Zahlen und rationalen Kalkulationen. Sie lebt von Zukunftserwartungen“, erläutert Kraemer. Wenn der Eindruck entsteht, dass die persönliche Perspektive unsicher ist, führt das zu einem veränderten Konsumverhalten: Menschen kaufen weniger und verschieben Investitionen. „Wenn viele so reagieren, entsteht ein kollektiver Trend“, warnte Kraemer.
Vertrauen als Schlüssel zur wirtschaftlichen Erholung
Kraemer unterstreicht die Bedeutung von Vertrauen in der Gesellschaft und der Wirtschaft. „Wir sehen europaweit einen starken Vertrauensverlust. In Österreich ist das besonders ausgeprägt“, sagte er. Dieses Misstrauen sei problematisch, da es auch regionalen Strukturen schadet. Besonders belastend wirkt sich der aktuelle Streit um die hohen Gehälter von Wirtschaftskammer-Funktionären aus, da viele Bürger das Gefühl haben, Entscheidungen würden über ihren Köpfen hinweg getroffen.
„Man kann nicht Verzicht predigen und Wein trinken. Solche Vorfälle sind in einer ohnehin angespannten Lage Gift für das Vertrauen,“ so Kraemer.
Um aus dieser misslichen Lage herauszukommen, sind schnelle Lösungen nicht in Sicht. „Diese diffusen Stimmungen lassen sich nicht einfach steuern – weder durch Medien noch durch Marketingstrategien“, so Kraemer weiter. Er hebt hervor, dass Entscheidungsträger offen über Probleme sprechen müssen, anstatt unbequeme Themen kleinzureden oder erst unter Druck zu reagieren.
„Man kann Stimmung nicht herstellen. Aber man kann sehr viel dafür tun, sie nicht weiter zu verschlechtern“, mahnte Kraemer.
Zudem rät er, Angstmacherei zu vermeiden: „Angst ist ein schlechter Ratgeber.“ Starke Bedrohungsszenarien könnten kurzfristig mobilisieren, würden jedoch langfristig zu Erschöpfung und Misstrauen führen. „Für die Steiermark bedeutet das: klare und transparente Kommunikation, verantwortungsvolles Handeln von Funktionsträgern und das Bewusstsein, dass wirtschaftliche Dynamik auf Vertrauen und Zuversicht angewiesen ist“, schloss Kraemer.


