In der Nacht zum 27. Dezember 2025 hat Russland eine groß angelegte kombinierte Luftoffensive gegen die Ukraine durchgeführt. Zum Einsatz kamen nach ukrainischen Angaben rund 500 Kampfdrohnen sowie verschiedene Raketentypen, darunter 22 Marschflugkörper vom Typ Ch-101/Ch-555, vier ballistische Iskander-Raketen, fünf aeroballistische Kinschal-Raketen und sechs Kalibr-Marschflugkörper. Kyjiw und die umliegende Region gehörten zu den Hauptzielen des Angriffs, der in mehreren Wellen und aus unterschiedlichen Richtungen erfolgte.
Schwere Schäden und Brände in mehreren Stadtteilen Kyjiws
In der ukrainischen Hauptstadt wurden Zerstörungen und Brände in sieben Stadtteilen registriert. Im Stadtteil Darnyzja beschädigten Trümmer und ein direkter Drohnentreffer ein 24-stöckiges Wohnhaus im Viertel Posnjaky, wobei die oberen und technischen Etagen zerstört wurden. In der Umgebung gerieten zudem Privathäuser in Brand, weshalb zehn Bewohner eines nahegelegenen Pflegeheims evakuiert werden mussten. In Holossijiwskyj brach nach dem Absturz einer Drohne ein Feuer auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt aus, im Dniprowskyj-Bezirk wurden ein Depot beschädigt und ein Brand in einem 18-stöckigen Wohnhaus ausgelöst. Im Solomjanskyj-Bezirk trafen Trümmer ein Wohnheim der Nationalen Luftfahrtuniversität.
Ausfälle der Wärme- und Stromversorgung
Infolge der Angriffe sind in Kyjiw mehr als 4.000 Wohngebäude ohne zentrale Wärmeversorgung. Betroffen sind zudem 187 Kindergärten, 138 Schulen und 22 soziale Einrichtungen. Schäden an der Energieinfrastruktur führten in mehreren Stadtteilen und Vororten zu Stromausfällen. Am Morgen lag über Teilen der Stadt dichter Smog, ausgelöst durch zahlreiche Brände, die während der Nacht und in den frühen Morgenstunden bekämpft wurden.
Auswirkungen in der Region Kyjiw und weiteren Landesteilen
Auch in der Region Kyjiw wurden in mindestens vier Bezirken Schäden gemeldet. In Wyschhorod konnte eine Person lebend aus den Trümmern eines zerstörten Hauses gerettet werden, zudem wurden Fensterscheiben eines Mehrfamilienhauses durch die Druckwelle beschädigt. In den Bezirken Boryspil und Obuchiw trafen die Angriffe Industrie- und Infrastrukturobjekte, was großflächige Brände auslöste. In Butscha geriet eine Baustelle in Brand, während Wyschhorod zeitweise vollständig ohne Strom war. Parallel meldeten die Behörden Angriffe auf weitere Regionen, darunter Odessa, Winnyzja, Chmelnyzkyj, Poltawa, Schytomyr, Tscherkassy, Dnipropetrowsk, Saporischschja, Sumy und Charkiw.
Tote, Verletzte und anhaltende Rettungsarbeiten
Bis 11:30 Uhr am 27. Dezember stieg die Zahl der Verletzten in Kyjiw auf 28, davon wurden 13 Menschen hospitalisiert. Eine Person kam in der Hauptstadt ums Leben, unter den Verletzten befinden sich zwei Kinder im Alter von neun und 16 Jahren. In der Region Kyjiw starb im Bezirk Bila Zerkwa eine Frau des Jahrgangs 1978, acht weitere Menschen wurden verletzt. Aus der Region Charkiw wurden vier Tote und sieben Verletzte gemeldet. Rettungskräfte setzten die Suche nach Verschütteten und die Beseitigung der Schäden fort.
Politischer Kontext und strategische Signalwirkung
Der Angriff richtete sich gezielt gegen Energie-, Industrie- und zivile Infrastruktur und traf die Ukraine mitten in der Winterperiode. Beobachter werten den Umfang der Attacke als weiteren Hinweis darauf, dass Moskau auf Eskalation und Druck setzt. Der Zeitpunkt, einen Tag vor geplanten Gesprächen zwischen Präsident Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump, verleiht dem Angriff zusätzliche politische Bedeutung und wird als Versuch interpretiert, den diplomatischen Prozess militärisch zu flankieren.


