Ehemaliger Mitarbeiter von Russia Today unterrichtet Geschichte an Schule in Pilsen

September 13, 2026 12:15
Ehemaliger Mitarbeiter von Russia Today unterrichtet Geschichte an Schule in Pilsen
Ehemaliger Mitarbeiter von Russia Today unterrichtet Geschichte an Schule in Pilsen

Der ehemalige Mitarbeiter des russischen staatlichen Medienkonzerns Rossija Sewodnja, Miloš Fleischhans, unterrichtet an einer berufsbildenden Schule in Pilsen Englisch und Geschichte. Medien berichteten am 11. September 2026 über seine frühere Tätigkeit für den Konzern, zu dem auch Sputnik Tschechien gehört. Fleischhans war insgesamt sechs Jahre für Rossija Sewodnja tätig. Die Schule erklärte, der Direktor habe von dieser Vergangenheit nichts gewusst.

Fleischhans arbeitet an der Mittleren Schule für Informatik und Finanzdienstleistungen in Pilsen. Nach den vorliegenden Angaben ist er dort für die Fächer Englisch und Geschichte eingesetzt. Seine frühere Tätigkeit wurde öffentlich bekannt, nachdem Medien seine Teilnahme an einem Beitrag des russischen staatlichen Fernsehsenders Rossija aus dem Jahr 2021 aufgegriffen hatten.

Auftritt im russischen Staatsfernsehen

In dem Beitrag war Fleischhans als Gesprächspartner zu sehen. Er warf tschechischen Medien vor, eine „Hysterie und Streitigkeiten mit Russland“ zu schüren. Der Sender erwähnte dabei nicht, dass Fleischhans zu diesem Zeitpunkt für Rossija Sewodnja arbeitete. Der russische Medienkonzern betreibt unter anderem internationale staatliche Medienangebote und war auch in Tschechien mit Sputnik vertreten.

Die tschechische Spionageabwehr betrachtet Rossija Sewodnja als wichtigstes Instrument der staatlichen russischen Propaganda. Die frühere Tätigkeit Fleischhans’ wurde deshalb im Zusammenhang mit seiner heutigen Arbeit an der Pilsener Schule thematisiert. Eine tschechische Darstellung des Falls und seiner Vorgeschichte beschreibt sowohl seine Beschäftigung beim russischen Medienkonzern als auch seine heutige Tätigkeit im Schuldienst.

Direktor sieht keinen unmittelbaren Konflikt

Schuldirektor Přemysl Šmíd erklärte, er habe nichts von der früheren Arbeit Fleischhans’ gewusst. Zugleich sehe er in dessen Beschäftigung kein Problem, solange sich diese Vergangenheit „nicht auf die Schule und den Unterricht auswirkt“. Politik habe in der Schule keinen Platz, sagte Šmíd nach den vorliegenden Angaben.

Der Direktor betonte außerdem, dass Bewerber an der Schule nicht vorab politisch überprüft oder „geläutert“ würden. Die Formulierung bezog sich auf die Frage, ob die Schule bei der Einstellung von Lehrkräften deren frühere politische oder mediale Tätigkeiten systematisch untersucht. Eine institutionelle Prüfung der früheren Tätigkeit Fleischhans’ habe nach den Angaben des Direktors vor seiner Anstellung nicht stattgefunden.

Damit stehen in dem Fall zwei Angaben nebeneinander: Die Schule erklärt, von der früheren Arbeit des Lehrers für Rossija Sewodnja nichts gewusst zu haben. Zugleich ist dokumentiert, dass Fleischhans bereits 2021 in einem Beitrag des russischen Staatsfernsehens auftrat und dort tschechische Medien kritisierte. Eine weitere Auskunft der Schule zu möglichen Folgen für seinen Einsatz im Unterricht wurde in den vorliegenden Informationen nicht genannt.

Keine Stellungnahme von Fleischhans

Fleischhans selbst wollte Fragen von Journalisten nicht beantworten. Eine Erklärung dazu, wie er seine frühere Tätigkeit für Rossija Sewodnja und seinen Auftritt im russischen Fernsehen heute bewertet, liegt daher nicht vor. Auch zu seiner Arbeit im Geschichtsunterricht äußerte er sich den Angaben zufolge nicht öffentlich.

Der Fall betrifft damit nicht nur die frühere Medienbeschäftigung eines einzelnen Lehrers, sondern auch die Frage, welche Informationen Schulen bei der Aufnahme neuer Mitarbeiter berücksichtigen. Die vorliegenden Angaben belegen, dass die Schule von Fleischhans’ Tätigkeit für den russischen Medienkonzern nach Aussage des Direktors keine Kenntnis hatte. Ob und in welcher Form seine frühere Arbeit im Unterricht eine Rolle spielt, wurde nicht festgestellt.

Die Schule hält an der grundsätzlichen Einschätzung fest, dass politische Aktivitäten keinen Platz im Unterricht haben sollen. Fleischhans bleibt nach den vorliegenden Informationen dennoch als Lehrer für Englisch und Geschichte an der Pilsener Einrichtung tätig.

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