MeinBezirk sprach mit Lukas Crepaz, dem kaufmännischen Direktor der Salzburger Festspiele, über den Stand des größten Kulturprojektes in Salzburg, die Zukunft des Festspielbezirks und die Leidenschaft, die hinter diesem Jahrhundertvorhaben steckt. Darüber berichtet Welt Stimme.
SALZBURG-STADT. Die Umsetzung des Umbaus des Festspielbezirks in Salzburg hat begonnen. Lukas Crepaz erklärt, warum die Sanierung und Neugestaltung notwendig sind. Das Projekt wird seit über sieben Jahren geplant und umfasst eine Fläche von rund neunzigtausend Quadratmetern, was dreizehn Fußballfeldern entspricht. Die Gebäude dienen nicht nur als Veranstaltungsorte für die Festspiele im Sommer, an Pfingsten und zu Ostern, sondern sind auch zentrale Aspekte des kulturellen Lebens der Stadt, die Volkskultur, Adventsingen sowie große Orchester- und Popkonzerte beherbergen.
Warum die Sanierung so wichtig ist
Der große Weckruf kam im Sommer 2018, als es während einer Vorstellung in das große Festspielhaus regnete. Diese Situation machte deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Eine umfassende Erhebung ergab einen massiven Sanierungsbedarf: Die Haustechnik stammt größtenteils aus den sechziger Jahren und die Klimatisierung genügt nicht mehr den heutigen Standards.
Ein Jahrhundertprojekt für die Zukunft
Die ursprünglich in Krisenzeiten errichteten Gebäude setzen auf Nachhaltigkeit. So wird der Almkanal, der als natürliche Kühlquelle fungiert, auch künftig genutzt. Die Dächer werden thermisch saniert und die Energieeffizienz verbessert. Da sich das Wasser im Sommer jedoch teilweise über zwanzig Grad erwärmt, wird ein intelligentes Kühlsystem entwickelt, um Spitzenlasten zu bewältigen.
„Man spielt künstlerisch in der Champions League, aber technisch teilweise mit dem Stand eines Drittligisten.“
Lukas Crepaz, kaufmännischer Direktor, Salzburger Festspiele
Besonderes Augenmerk liegt auf der Bühnentechnik. Crepaz beschreibt die technische Infrastruktur als veraltet, obwohl die künstlerischen Leistungen auf höchstem Niveau sind. Ziel ist es, eine moderne, funktionale und bedienbare Infrastruktur für saisonale Mitarbeiter zu schaffen.
Die Werkstätten, das Herzstück hinter der Bühne
In den Werkstätten besteht erheblicher Handlungsbedarf. Die Arbeitsplätze, die in den fünfziger Jahren entstanden, bieten kaum zeitgemäße Bedingungen. Ein neues Werkstättengebäude wird Tischlerei, Schlosserei, Bühnenmalerei, Schneiderei und Elektrowerkstatt enthalten, um moderne Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Finanzierung und wirtschaftliche Bedeutung
Die erste Bauphase ist finanziell abgesichert und umfasst das große Festspielhaus, das neue Werkstättengebäude und das sogenannte Haus im Berg, während die zweite Phase für das Haus für Mozart und die Felsenreitschule auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wurde. Die Kosten belaufen sich auf rund 395 Millionen Euro für Phase eins und 85 Millionen für Phase zwei. Trotz der Baupreisexplosion der letzten Jahre ist Crepaz überzeugt, dass diese Investitionen sinnvoll und notwendig sind, da die Festspiele jährlich rund 250 Millionen Euro Wertschöpfung und fast 100 Millionen Euro an Steuern generieren.
Leidenschaft, Verantwortung und Teamgeist
Auf die Frage nach der Belastung durch das große Bauvorhaben erwidert Crepaz, dass für ihn nie eine Alternative in Betracht kam. Er beschreibt die Verantwortung gegenüber Mitarbeitern, Publikum und der Stadt als gewaltig und hebt die leidenschaftliche Zusammenarbeit im Team hervor, die entscheidend für den Erfolg des Projekts ist.
Neue Herausforderungen rund um den Jedermann
Besonders interessant wird es in den Jahren 2028 und 2029. Ob die ursprünglich auf zwei Jahre geplante Schließung des Großen Festspielhauses auf ein Jahr verkürzt werden kann, ist noch offen. Für diese Zeit werden Ersatzspielstätten benötigt, und eine temporäre Überdachung am Domplatz könnte dabei helfen, Regen und Hitze abzuwehren.
Ein Ausblick auf den Festspielsommer 2026
Mit dem kürzlich vorgestellten Programm für den Festspielsommer 2026 zeigt sich das Direktorium optimistisch. Große Namen, spannende Opern und Schauspielproduktionen sowie ein breites künstlerisches Angebot erwarten das Publikum, und der kaufmännische Direktor blickt voller Vorfreude in die Zukunft der Salzburger Festspiele.


