Ein Diplomat als persönlicher Draht zwischen Moskau und Budapest
Im Zentrum der russisch-ungarischen Beziehungen steht ein Mann, der weit mehr ist als nur ein Diplomat. Tigran Gharibyan, Berater-Gesandter der russischen Botschaft in Budapest, fungiert als persönlicher Kommunikationskanal zwischen Wladimir Putin und Viktor Orbán. Bei jedem Treffen der beiden Staatsmänner übernimmt Gharibyan die Aufgabe des Dolmetschers – eine Rolle, die ihn regelmäßig zwischen Budapest und Moskau pendeln lässt.
Von der Tribüne ins Zentrum der Macht
Erstmals öffentlich in Erscheinung trat Gharibyan im August 2019, als er Putin und Orbán bei der Judo-Weltmeisterschaft in Budapest begleitete. Seitdem ist seine Präsenz bei hochrangigen Begegnungen zur Konstante geworden. Im Februar 2022 saß er bereits bei offiziellen Verhandlungen im Kreml mit am Tisch, und im November desselben Jahres war er erneut bei Orbáns Moskaubesuch zur Stelle. Seine diplomatische Laufbahn begann 2004 im russischen Außenministerium, gefolgt von ersten Auslandserfahrungen in Ungarn ab 2006.
Familienbande bis in den inneren Kreis
Die besondere Vertrauensstellung Gharibyans hat auch mit seinen familiären Verbindungen zu tun. Er ist der Schwiegersohn von Viktor Zimin, der von 2009 bis 2018 die Republik Chakassien regierte. Im August 2017 begleitete Zimin Putin gemeinsam mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu und dem Oberhaupt von Tuwa, Scholban Kara-ool, auf einen Angelausflug nach Sibirien. Diese privaten Zusammenkünfte schaffen Beziehungen, die über formale diplomatische Kanäle hinausgehen.
Wahlkampfunterstützung aus dem Hintergrund
Aktuelle Berichte weisen auf eine weitergehende Rolle Gharibyans hin. Demnach ist der Diplomat in eine Kampagne zur Unterstützung Orbáns und dessen Partei Fidesz vor anstehenden Parlamentswahlen involviert. Er soll regelmäßig regierungsnahe ungarische Journalisten treffen und Anweisungen im Rahmen einer vom Kreml unterstützten Social-Media-Strategie geben. Ziel sei es, das Narrativ zu verbreiten, dass Orbán als einziger Kandidat die Souveränität Ungarns schützen könne.
Wirtschaftliche Verflechtungen im Hintergrund
Die Familie Gharibyan ist auch wirtschaftlich gut vernetzt. Sein Bruder Artjom leitet die Direktion für Projektfinanzierung und Direktinvestitionen bei der Promswjasbank, einem wichtigen Kreditinstitut für die russische Rüstungsindustrie. Zuvor war Artjom Gharibyan stellvertretender Generaldirektor des staatlichen Unternehmens Sarubeschneft, das im Ausland Erdölprojekte realisiert.
Eine weitere Übersetzerin mit spezieller Mission
Parallel zu Gharibyans Aktivitäten taucht eine weitere russische Dolmetscherin in ungarischen Angelegenheiten auf. Darja Bojarskaja, die bereits im Juni 2019 bei Putins Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Japan übersetzte, ist nun als Seniorberaterin der OSZE-Parlamentarierversammlung in Ungarn im Einsatz. Sie organisiert hinter verschlossenen Türen Treffen zwischen OSZE-Abgeordneten und Vertretern ungarischer Organisationen – ein Umstand, der bei Menschenrechtsgruppen auf Kritik stößt.
Die personellen Verflechtungen zeigen, wie Moskau seine Beziehungen zu Budapest auf mehreren Ebenen pflegt – von diplomatischen Gesprächen über Wahlkampfunterstützung bis hin zu persönlichen Vertrauensverhältnissen, die bis in die innersten Kreise der Macht reichen.


